Capital Wirtschaftsnachrichten


13.02.2026 14:00
Während die Welt von einer Krise zur nächsten taumelt, feiern die Aktienmärkte immer neue Höchststände. Der Sicherheitsexperte Herfried Münkler und der Ökonom Michael Heise klären, wie das zusammenpasst – oder auch nicht 
13.02.2026 12:30

Auch diese Woche klang mal wieder nach viel Zank zwischen Union und SPD bei den angedachten Sozialreformen. Aber im Gesundheitssystem sind sich beide Parteien näher als man denkt

Gesundheitsministerin Nina Warken von der CDU will nun versicherungsfremde Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen aus dem Bundeshaushalt finanzieren. Das klingt einleuchtend, aber auch ein bisschen bequem: Denn sie würde so die Krankenkassen entlasten, ohne Ausgaben kürzen zu müssen. Sie sagt aber nicht, wie sie das im Haushalt finanzieren will. Und die SPD fordert eine neue Gesundheitsabgabe auf Mieten und Kapitalerträge, um den klammen Krankenkassen zu zusätzlichen Einnahmen zu verhelfen – was die Union umgehend ablehnt.  

Also wieder nur Scharmützel und alles beim Alten, oder?

Nicht ganz, würde ich sagen. Denn einen wirklichen Widerspruch zwischen den beiden, sagen wir mal vorsichtig, Ideen, gibt es streng genommen nicht: Ganz nüchtern betrachtet, würde es schon zusammenpassen, einen Teil der Gesundheitsausgaben anders zu finanzieren, dafür die Krankenkassenbeiträge zu senken, so Arbeitnehmer und Unternehmen zu entlasten und zugleich an anderer Stelle für weitere Einnahmen im Bundeshaushalt zu sorgen. Nur nicht ganz so, wie es sich Union und SPD in ihren ersten Vorstößen diese Woche vorstellten. Es kommt auf die Details an, dann wäre so eine Operation im Gesundheitssystem sogar richtig sinnvoll.  

Höhere Mehrwertsteuer?

Ich musste diese Woche an die Verhandlungen zur Großen Koalition 2005/2006 denken. Im Wahlkampf hatten CDU und CSU angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte anzuheben und dafür die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um zwei Prozentpunkte abzusenken. Die SPD war dagegen, weil sie eine Belastung der Geringverdiener fürchtete. Nach der Wahl dann der Kompromiss: Die Mehrwertsteuer stieg sogar um drei Prozentpunkte von 16 auf 19 Prozent, der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sank jedoch nur um zwei.  

Die Idee damals war, ähnlich wie heute, durchaus richtig: Der Faktor Arbeit muss günstiger werden, deshalb wird ein Teil der Ausgaben (damals in der Arbeitslosenversicherung) künftig über Steuern finanziert. Dies bietet sich vor allem für jene Ausgaben an, die im strengen Sinne keine Versicherungsleistungen sind, sondern gesellschaftspolitisch gewollte Ausgaben: Kindererziehungszeiten für Eltern in der Rente zum Beispiel, oder jüngst die sogenannte Mütterrente. Solche Leistungen von allen über Steuern zu finanzieren, ist auf jeden Fall gerechter als sie nur einer Gruppe der Gesellschaft, nämlich den gesetzlich Versicherten (also in der Regel den abhängig Beschäftigten und ihren Arbeitgebern) aufzubürden. Selbstständige, Beamte und auch die immer größer werdende Zahl der Ruheständler sind dann ganz oder teilweise von der Finanzierung solcher Leistungen ausgenommen.   

In der Rentenversicherung hat man diese Idee schon recht konsequent umgesetzt – allerdings zu einem hohen Preis: Rund 120 Mrd. Euro überweist der Bund inzwischen jedes Jahr aus seinen Steuereinnahmen an die Rentenkassen, um dort die Ausgaben zu decken. Warkens Idee, nach diesem Vorbild bei den gesetzlichen Krankenkassen zu verfahren, ist also nicht neu. Allerdings: Es wäre schon schön gewesen, wenn die Ministerin auch gleich gesagt hätte, wie sie das finanzieren will. Zumal im kommenden Bundeshaushalt für das Jahr 2027 nach heutigem Stand noch eine Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben von rund 60 Mrd. Euro klafft.  

Krankenkassen-Kosten von Bürgergeldempfängern

Konkret denkt Warken zunächst an die Kosten für die Krankenversicherung der Empfänger von Grundsicherung und Bürgergeld. Diese belaufen sich derzeit auf 10 bis 11 Mrd. Euro pro Jahr – würde man sie künftig aus dem Bundeshaushalt bezahlen, könnte der Krankenkassenbeitrag um fast einen Prozentpunkt sinken. Es wäre, nach dem Vorbild der Arbeitslosenversicherung, eine mustergültige Senkung der Lohnnebenkosten und würde Arbeitnehmer und Unternehmen deutlich entlasten.  

Vor allem sollte man diesen Ansatz gleich weiterdenken und etwas größer anlegen. Tatsächlich sind die versicherungsfremden Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung nämlich sehr viel höher, für das Jahr 2023 schätzte sie eine Studie auf annähernd 60 Mrd. Euro. Hinter dieser gewaltigen Summe verbirgt sich vor allem die kostenlose Mitversicherung von Kindern und Ehepartnern, wenn diese nicht oder kaum arbeiten – sie machen rund 30 Mrd. Euro jährlich aus. Warum also nur die Kosten der Bürgergeldempfänger? Bei den gesetzlichen Krankenkassen gäbe es tatsächlich einen großen Batzen, den heute Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber finanzieren und der eigentlich über Steuern finanziert werden müsste.  

Nun zur Idee der SPD: Schon seit mehr als 20 Jahren hängen die Sozialdemokraten der Idee an, auch auf Mieten und Kapitalerträge Krankenversicherungsbeiträge zu erheben – es war immer ein Teil der alten Bürgerversicherungsidee. Allein, das Vorhaben ist fürchterlich kompliziert: Wer erfasst die Mieten und Kapitalerträge? Gibt es Freibeträge und wer prüft die? Gibt es umgekehrt eine Beitragsbemessungsgrenze für solche Einkünfte? Das klingt schon sehr nach einem neuen Gesundheitsabgabenamt, einem Gesundheitsabgabenfonds und einem Gesundheitsabgabenausgleich (für jene Krankenkassen, die nur wenige Versicherte mit Zins- und Mieteinnahmen haben). Der naheliegende Gedanke, dass die Finanzämter künftig auch die Krankenkassenbeiträge im Zuge der Steuererklärung einbehalten könnten, ist bisher nicht mal von der SPD ernsthaft verfolgt worden – wahrscheinlich, weil er so einfach doch nicht ist.  

Hohe Sozialausgaben

Aber die Vorstellung dahinter ist näher an der von CDU/CSU als es diese Woche in den ersten Reaktionen deutlich wurde: Im Kern geht es beiden Parteien darum, die Krankenkassen zu entlasten, indem ein Teil der Ausgaben künftig nicht mehr allein aus Beiträgen auf Arbeitseinkommen und -kosten finanziert wird. 

Stattdessen müsste das Steuersystem für Mehreinnahmen sorgen – und da finden sich viele Möglichkeiten: Naheliegend wäre es, die Steuern auf Tabak und Alkohol zu erhöhen – hier gibt es sogar einen direkten Zusammenhang zu den Ausgaben der Krankenkassen. Hohe zusätzliche Einnahmen brächte auch eine höhere Mehrwertsteuer, allerdings müsste man die Länder zu einem Verzicht auf ihren Anteil bewegen und dafür wirklich eins zu eins die Lohnnebenkosten senken. Weil sinkende Sozialbeiträge auch Geringverdiener und mittlere Einkommen entlasten (stärker als Steuersenkungen), wäre dafür vielleicht auch die SPD zu gewinnen. Und zu guter Letzt könnte man an die Kapitalertragsteuer oder den Spitzensteuersatz für absolute Top-Verdiener denken. Das wäre in jedem Fall einfacher als eine neue Gesundheitsabgabe.   

Natürlich gibt es gegen die Idee einer höheren Steuer auf Miet- und Kapitalerträge ein weiteres gewichtiges Argument: Die Regierung kann nicht normalverdienenden Arbeitnehmern jahrelang einbläuen, mehr privat fürs Alter vorzusorgen, und ihnen dann, wenn sie das endlich getan haben, mit einer neuen Abgabe einen Teil wieder aus der Tasche ziehen. Beziehungsweise: Sie kann das natürlich schon, aber besonders klug ist das nicht. Eine höhere Steuer auf Kapitalerträge müsste also flankiert werden durch deutlich höhere Freibeträge, die zumindest die Zusatzrenten und Nebeneinkommen von Normalverdienern verschonen. Aber auch das ließe sich im Steuersystem sehr viel leichter umsetzen als mit einer neuen Abgabe.   

Gänzlich ungelöst bliebe in diesem Manöver die Ausgabenseite. Denn das Hauptproblem des Standorts Deutschland sind im Moment nicht die versicherungsfremden Leistungen, sondern die hohen Sozialausgaben insgesamt, die über die Lohnnebenkosten Arbeit in Deutschland teuer und unattraktiv machen. Sowohl in der Kranken- als auch in der Renten- und Pflegeversicherung steigen die Ausgaben in den nächsten Jahren rasant. Und vor allem im Gesundheitsbereich und in der Pflege liegen die Kostenzuwächse für Medikamente, Kliniken und die Heimbetreuung weit oberhalb der Inflation, teils steigen sie um zehn Prozent und mehr jedes Jahr. Hier wieder wirksame Kostenbremsen ins System einzubauen, ist unerlässlich – andernfalls wird der Entlastungseffekt durch eine Umfinanzierung in zwei Jahren schon wieder verpufft sein. Allerdings wird diese Operation auch sehr viel schwieriger werden. 

13.02.2026 11:29
Sommer, Sonne, Liegestuhl – Kroatien lockt Rentnerinnen und Rentner mit bezahlbaren Immobilien und guter Nachbarschaftskultur. Doch die Inflation ist immer noch hoch
13.02.2026 11:28

Bankkunden in ländlichen Regionen müssen für ihr Girokonto im Durchschnitt mehr bezahlen als Großstädter. Laut einer Analyse sind zwar die Fixkosten geringer, dafür sind die Gebühren aber teurer

Kundinnen und Kunden in kleineren Städten und auf dem Land zahlen einer Analyse zufolge bei regionalen Banken beim Girokonto systematisch mehr als in Großstädten. Zwar seien die Girokonto-Fixkosten in Kommunen bis 60.000 Einwohner im Schnitt etwas günstiger, doch aufgrund von Gebühren für bestimmte Vorgänge wandele sich dieser Vorteil „am Ende oft in deutlichen Nachteil“, hieß es auf der Zinsmarkt-Plattform FMH X Radar am Dienstag.

Wer als Girokonto-Kunde einer Regionalbank in der Kleinstadt und auf dem Land drei Bezahlvorgänge pro Woche elektronisch vornehme, verliere „bereits den Fixkosten-Vorteil. Und mit steigender Cashless-Quote wird der finanzielle Nachteil größer“, errechnete FMH X Radar. Mit elektronischem Bezahlen ist dabei alles außer Bargeldzahlungen gemeint, etwa per EC-Karte, mit Bezahldiensten wie Paypal oder per Überweisung.

„Mit einem Girokontowechsel sparen Kunden in bestimmten Nutzergruppen einiger Regionen bis zu 290 Euro im Jahr. Rund 110 Euro im Jahr davon können nach unseren Berechnungen alleine auf den finanziellen Malus aufgrund der Stadtgröße entfallen“, erklärte Ania Scholz-Orfanidis von der Finanzberatung FMH. Teils könne auch schon ein Kontowechsel bei derselben Bank helfen.

Girokonten-Kunden von Regionalbanken in manchen Bundesländern seien dabei besonders betroffen, wie die Plattform weiter mitteilte. In Sachsen-Anhalt seien es bei monatlich 40 elektronischen Bezahlvorgängen im Schnitt 64,80 Euro Mehrkosten pro Jahr für Landbewohner und Kleinstädter (5,40 Euro im Monat). Wer demnach dort pro Monat 80-mal elektronisch zahlt, häuft bis Jahresende einen Kosten-Nachteil von über 113 Euro (monatlich 9,46 Euro) an.

Die Benachteiligung von Kunden aus kleineren Kommunen ist der Analyse zufolge in westdeutschen Flächen-Bundesländern „durchgehend zu beobachten“. In Ostdeutschland sei das weniger einheitlich: Als einzigem Bundesland wurde demnach in Thüringen für alle untersuchten Nutzer-Profile ein Kosten-Vorteil in kleineren Kommunen ermittelt. „In Mecklenburg-Vorpommern dreht sich erst bei über 40 elektronischen Bezahlvorgängen das Verhältnis zu Gunsten größerer Städte“, heißt es weiter.

Die Ergebnisse der Daten-Analyse hätten „sicherlich etwas mit der schwächeren Konkurrenzsituation der Geldinstitute in kleineren Städten zu tun“, erklärte Scholz-Orfanidis. „Diese ändert sich unserer Erfahrung nach etwa bei der Marke von 60.000 Einwohnern.“

Nach Angaben von FMH X Radar wurden für die Analyse mehr als 2600 Girokonto-Angebote von rund 1000 regionalen Geldinstituten untersucht.

Transparenzhinweis: Dieser Text stammt aus dem Archiv und erschien erstmals im Februar 2026. Er wurde aktualisiert.

13.02.2026 10:56
Wer sein Leben gearbeitet hat, will in der Rente genug Geld haben. Unsere Beispielsrechnung zeigt, wie viel 40-Jährige sparen müssen, um ihren Lebensstandard in der Rente halten zu können
13.02.2026 10:30

Künstliche Intelligenz beflügelt seit Monaten die Börsen. Nun jedoch werfen Anleger vermeintliche Verliereraktien aus den Depots. Doch es gibt auch Gewinner

Sorgen vor einer Umwälzung ganzer Branchen durch Künstliche Intelligenz (KI) haben die Wall Street am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Anleger verkauften vor allem Technologie- und Transportwerte und flüchteten in defensivere Sektoren wie Versorger und Immobilien. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,3 Prozent im Minus bei 49.451 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 1,6 Prozent auf 6832 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sackte um zwei Prozent auf 22.597 Punkte ab.

„Am Markt dreht sich derzeit vieles um die Frage, welche Branchen ihre Produktivität durch Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) steigern können – und welche durch KI unter Druck geraten dürften“, sagte Jack Herr, Chefanalyst bei der Investmentfondsgesellschaft Guidestone. „Wir sehen dies als ein 'Beweisjahr' für KI. Es muss sich zeigen, dass die Investitionen auch Rendite abwerfen.“

„AI Scare Trades“ belasten die Kurse

Die Kurse der Technologieriesen Microsoft, Nvidia und Amazon gaben angesichts horrender Ausgaben für Rechenleistung und KI-Projekte nach. Besonders unter Druck gerieten allerdings Transport- und Logistikwerte wie C.H. Robinson, Landstar und Expeditors. Einem Bericht des Senders CNBC zufolge macht ein neues Werkzeug der KI-Firma Algorhythm Holdings die Branche anfällig für Disruption. 

Auch sonst beliebte Softwaretitel wie Adobe oder Salesforce waren im Wochenverlauf bereits stark ins Minus gerutscht. Dahinter steht die Sorge, dass KI-Agenten zentrale Dienstleistungen wie Steuerklärungen oder Finanzbuchhaltung übernehmen könnten. Aktionäre warfen die entsprechenden Papiere deshalb aus ihren Depots.

Für dieses Anlegerverhalten etabliert sich an der Wall Street gerade ein neuer Begriff: AI Scare Trade. Gemeint ist der rasche Verkauf von Aktien von Unternehmen, deren Umsätze durch Künstliche Intelligenz stark einbrechen könnten. Im Umkehrschluss profitieren Papiere von Unternehmen mit vermeintlich weniger anfälligen Geschäftsmodellen, etwa aus produzierenden Teilen der Realwirtschaft. Das bestätigte sich auch am gestrigen Donnerstag: zu den Gewinnern zählte beispielsweise der Bauschmaschinenhersteller Caterpillar.

13.02.2026 10:21
Google‑Mutter Alphabet verkauft eine seltene 100‑jährige Anleihe. Die Nachfrage ist riesig und übersteigt das Angebot um ein Vielfaches
13.02.2026 09:00

Tech-Aktien wanken, der Dow knackt 50.000 – und plötzlich stehen Rohstoffe und Dividendenwerte im Rampenlicht. Rio Tinto profitiert vom globalen Infrastrukturboom, während KI-Fantasien Softwarekonzerne unter Druck setzen

In der neuen Folge von Aktien fürs Leben diskutieren Capital-Chefredakteur Timo Pache und Aktien-Expertin Petra Ahrens über die zunehmenden Spannungen im Tech-Sektor. Dabei wird die Frage beantwortet, warum ausgerechnet klassische Industrie- und Dividendenwerte davon profitieren könnten.

Im Wochenrückblick sorgt vor allem die Sektor-Rotation für Gesprächsstoff, also der Fokus von Investoren auf eine neue Branche. Der Dow Jones überspringt erstmals die Marke von 50.000 Punkten. Auch der DAX zeigt sich mit 24.700 Punkten robust. Der Nasdaq 100 dagegen verliert 1,6 Prozent. Zwischenzeitlich sah es sogar nach einem Minus von bis zu fünf Prozent aus. Auslöser sind enorme KI-Investitionen und ein neues Tool des Chatbots „Claude“ von Anthropic, das etablierte Softwareanbieter unter Druck setzt. Selbst starke Zahlen von Amazon konnten einen zweistelligen Kursrutsch nicht verhindern. Auch Microsoft, Nvidia, Palantir und andere Tech-Werte geraten ins Wanken.

Rohstoffriese mit Potenzial

Im Fokus steht diesmal jedoch der Bergbauriese Rio Tinto. Der Konzern mit Doppelnotierung in London und Melbourne zählt zu den größten Rohstoffförderern der Welt und profitiert vom globalen Infrastruktur- und Energiewende-Boom. Solider Cashflow und attraktive Dividenden machen die Aktie für langfristige Anleger interessant, selbst in einem Umfeld schwankender Gold- und Silberpreise.

Als weitere Dividendentitel wird der britische Spirituosenhersteller Diageo unter die Lupe genommen. Dieser ist bekannt für Marken wie Guinness. Zudem rückt mit der DBS Group die größte Bank Singapurs in den Fokus. Ein digital führender Finanzkonzern mit starker Position im südostasiatischen Raum und attraktiver Dividende ohne Quellensteuerabzug für Anleger.

13.02.2026 07:30
McDonald's beerdigt seine Premium-Offensive. Die Kunden zahlen die immer höheren Preise nicht mehr. Der Weg zurück wird teuer – auch für die Aktionäre anderer Dividenden-Aristokraten
12.02.2026 18:22

Die tiefe Krise der deutschen Filmbranche droht die Berlinale mit in den Abgrund zu ziehen. Jetzt will die Bundesregierung Netflix & Co. zwingen, mehr Geld in den deutschen Film zu stecken

Keine allzu warmen Worte zum Start der Berlinale: Mit dem Kulturstaatsminister spricht einer der Verantwortlichen aus, dass die besten Jahre der Berlinale schon eine Weile her sind. „Sie muss kraftvoller werden!“, appellierte Wolfram Weimer vor dem Start des Filmfestes am Donnerstag. „Sie muss leuchten.“ Zwar ist sie immer noch das größte Kulturevent in Deutschland und eines der wichtigsten Filmfeste weltweit. Doch hinter der Berlinale und dem deutschen Film lägen „sieben schlechte Jahre“.

Zum Glück hat die schwarz-rote Bundesregierung kurz vor dem Start noch eines der raren Beispiele ihrer Einigungsfähigkeit geliefert. Deshalb ist auch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Donnerstag zu den deutschen Produzenten gekommen. Er wetterte gegen die „Monopolstellung großer Plattformen“ und ergänzte: „Es darf nicht sein, dass die hier hohe Umsätze machen, aber deutsche Studios und Produktionen gleichzeitig ins Schlingern geraten.“ Klingbeil meint damit Netflix, Amazon, Disney Plus, Applet TV, HBO Max und andere. 

Netflix, Amazon, Disney: Zahlen für den deutschen Film

Es liegt zwar nicht nur an diesen Streamingplattformen, dass es der deutschen Filmwirtschaft schlecht geht. Aber die Streaminganbieter sollen jetzt dafür sorgen, dass es ihr besser geht. Denn nach langem Hin und Her hat die Bundesregierung vor einigen Tagen beschlossen, Netflix & Co. künftig gesetzlich zu Investitionen in den deutschen und europäischen Film zu zwingen. Mindestens acht Prozent ihrer hiesigen Umsätze müssen demnach dafür bereitgestellt werden. 

Die Produzenten feiern die Einigung als Aufbruch, auch wenn acht Prozent viel weniger ist, als etwa die 25-Prozent-Verpflichtung, die in Frankreich seit einigen Jahren gilt. Aber immerhin, wenn man Schätzungen zugrundelegt, dass in Deutschland 2 Mrd. Euro pro Jahr mit Streaming umgesetzt wird, dann dürften künftig rund 180 Mio. Euro zusätzlich in die hiesige Produktionswirtschaft fließen. 

Weimer stellte sogar in Aussicht, dass es am Ende deutlich mehr sein würden, weil das geplante Gesetz bestimmte Anreize vorsieht, sogar zwölf Prozent zu investieren. Dazu kommt, dass Klingbeil die Bundes-Fördergelder für die hiesige Filmwirtschaft auf 250 Mio. Euro pro Jahr verdoppelt hat. So will die Koalition nicht nur eine doch noch fröhliche Berlinale absichern, sondern auch einen wirtschaftlich wieder florierenden Filmstandort mit Strahlkraft schaffen. Im Idealfall soll es ähnlich funktionieren wie die Milliardenpakete für Infrastruktur: Mit ein wenig Anschubfinanzierung, in diesem Fall von Steuerzahlern und Streamingdiensten – soll so viel in Gang kommen, dass am Ende alles läuft: mehr Zuschauer, mehr Filme, mehr internationale Aufmerksamkeit.

Berlinale nach Corona schwach

Die Berlinale hat nach der Coronapandemie weniger noch als die anderen Großfestivals Cannes und Venedig zu altem Schwung zurückgefunden. Im vergangenen Jahr ist mit der gebürtigen Amerikanerin Tricia Tuttle eine neue Festivalintendantin angetreten, die große Hoffnungen geweckt hat. Doch bisher blieb der Effekt aus.

Streaming ist nur eines von vielen Problemen. Es gibt einfach weniger internationale Kinohits mit Ausstrahlung und der deutsche Film muss den Anschluss an die junge Generation finden. Sie haben durchaus bewiesen, dass sie für Netflix & Co. erfolgreich Programme liefern können: Deutsche Streaming-Produktionen wie „Dark“ oder „Nichts Neues im Westen“ bekamen enorme internationale Aufmerksamkeit.

Doch jetzt stehen die Zeichen auf Konsolidierung. Und selbst Marktführer Netflix investiert nur extrem kontrolliert in zuverlässige Stoffe. Aus Sicht vieler Film- und Serienkritiker hat das dazu geführt, dass Streamingproduktionen langweiliger geworden sind.

Deutsche Filmstudios verlieren im Wettbewerb

Wenn Netflix & Co. infolge des neuen Gesetzes tatsächlich mehr investieren, dann wird es das wirtschaftliche Rückgrat der deutschen Produktionsbranche stärken – aber nicht unbedingt die Bedeutung des deutschen Films. Zum wirtschaftlichen Gerüst der deutschen Branche zählten in der Vergangenheit auch große internationale Produktionen, die in Deutschland realisiert wurden – etwa im traditionsreichen Studio Babelsberg. Bei den Filmstudios ist Deutschland im internationalen Wettbewerb um Steueranreize jedoch längst ins Hintertreffen geraten.

So wird sich die Berlinale dieses Jahr erst einmal aus eigener Kraft aus dem Niedergang kämpfen müssen. Sinnbildlich für diesen steht auch der zentrale Festivalort, an den die Berlinale die internationalen Gäste seit Jahren lädt: der Potsdamer Platz in Berlin. Das Innenstadt-Areal ist sichtbar in die Jahre gekommen, Kinos haben zugemacht, ein Einkaufszentrum darbt. „Tauwetter in Berlin“, sagte Weimer und versuchte, die Trübnis positiv umzudeuten. Angesichts solcher Metaphern muss man eher darauf vertrauen, dass die Illusionskraft der Filme auf der Berlinale größer ist als die trübe Realität.

12.02.2026 17:47
Immer mehr Menschen setzen für ihre Rente auf Aktien. Ohne eine durchdachte Entnahmestrategie drohen im Ruhestand jedoch hohe Verluste. Was Anleger beachten sollten
12.02.2026 17:37
Die deprimierenden Jahreszahlen von Mercedes zeigen die ganzen Schwierigkeiten im Autogeschäft. Vor allem aber beweisen sie, was der Vorstandschef aus Deutschlands wertvollster Marke gemacht hat
12.02.2026 16:12

Mit Kampfpreisen für Espresso sorgte LAP Coffee in deutschen Großstädten für Empörung. Jetzt muss sich das Start-up gegen einen neuen Anbieter behaupten – aus China

Sogar vor Vandalismus schreckten Kritiker nicht zurück. Als das Berliner Start-up LAP Coffee im vergangenen Jahr sein Filialnetz in der Hauptstadt ausbaute, klebten kurz darauf rote Farbe und Boykottaufrufe an den Schaufenstern. Der Vorwurf: zu günstige Kaffeepreise.

Tatsächlich kostet ein Espresso 1,50 Euro, ein Cappuccino 2,50 Euro und ein Flat White 3,00 Euro – deutlich weniger als in vielen Szene-Cafés Berlins. Kritiker sprechen von Preisdumping und sorgen sich um die gastronomische Vielfalt in ihren Wohnvierteln. Dem Erfolg von LAP Coffee hat die Debatte bisher kaum geschadet. Inzwischen gibt es mehr als 20 Filialen in Berlin, Hamburg und München. Finanzkräftige Investoren unterstützen die Expansion.

Cotti Coffee aus China startet in Deutschland

Zum Jahreswechsel sieht sich das Start-up nun jedoch mit einem neuen Herausforderer konfrontiert. Die chinesische Kette Cotti Coffee drängt seit Januar in deutsche Großstädte. Erste Filialen eröffneten unter anderem in Köln, Hamburg, Berlin und Düsseldorf – bevorzugt an Bahnhöfen oder belebten Plätzen. Laut „Handelsblatt“ wurde der Start zunächst nur über soziale Netzwerke kommuniziert. 



Das Angebot richtet sich vor allem an junge Menschen, was auch die teils noch aggressiver kalkulierten Preise verdeutlichen. Ein Espresso kostet bei Vorbestellung per App 99 Cent, ein Cappuccino 2,79 Euro. Gegen ein Foto bei Instagram gibt es ein Getränk gratis. Ob die Preise dauerhaft so niedrig bleiben, muss sich erst noch zeigen.

Wie LAP Coffee setzen die Chinesen auf digitale Bestellungen, Rabattaktionen und Social-Media-Kampagnen. Der Kaffee kommt aus Vollautomaten statt aus edlen Siebträgermaschinen. Unterschiede gibt es beim Interieur: Während das Berliner Start-up LAP in den meisten Filialen auf minimalistische Ästhetik setzt, muten die Läden von Cotti eher wie Fastfood-Imbisse an. Auf Sitzplätze und viel Personal verzichten beide Anbieter weitgehend.

Starbucks verliert Marktanteile

Der Anspruch der Chinesen beim Wachstum ist jedoch umso größer. „Wir wollen die führende Kaffeekette der Welt werden“, heißt es vom Unternehmen, das erst vor vier Jahren von Qian Zhiya gegründet wurde. Nach eigenen Angaben kommt Cotti Coffee bereits auf 18.000 Filialen in 28 Ländern. Damit ist die Kette schon die globale Nummer drei – hinter Starbucks und Luckin Coffee aus China.

Apropos Starbucks: Noch kommen zwar jedes Jahr neue Filialen der US-Kaffeehauskette dazu. Doch vor allem im hart umkämpften Wachstumsmarkt China beißen die Amerikaner auf Granit. Hohe Preise und ein vermeintlich cooles Image tragen nicht mehr. In den vergangenen fünf Jahren ging der Marktanteil dort um mehr als die Hälfte auf 14 Prozent zurück. Zugleich sanken die Erträge zwischen 2021 und 2024 um 19 Prozent, wie die „Financial Times“ berichtet. Im November verkaufte Starbucks einen Mehrheitsanteil an seinem China-Geschäft für 4 Mrd. Dollar an die Investmentfirma Boyu Capital.

LAP Coffee sucht sich neue Kaffee-Verbündete

Marktbeobachter gehen deshalb davon aus, dass sich chinesische Billig-Anbieter auch hierzulande durchsetzen. „Cotti Coffee zielt auf die potenziellen Kunden von Starbucks und Co. Die Kette spielt alle Möglichkeiten der digitalen Klaviatur perfekt, um Kunden zu erreichen und zu binden“, zitiert das „Handelsblatt“ den Branchenexperten Axel Weber von der Beratung Soda Group. Cotti Coffee werde damit auch im deutschen Markt zum „ernsthaften Player“.

Bei solchen Gemengelagen ist es für lokale Anbieter immer gut, sich neue Verbündete zu suchen. Das hat man nun auch bei LAP Coffee erkannt. Am Mittwoch gab das Berliner Start-up eine Kooperation mit der Deutschen Bahn bekannt. Vorerst bis April betreibt das Unternehmen eine Kaffee-Filiale in der stark frequentierten S-Bahn-Verteilerebene in München.

12.02.2026 14:43
Wer einen ETF auf den MSCI World bespart, setzt auf Aktien aus Industrieländern. Bald könnte ein bisher als Schwellenland eingestufter Staat dazugehören. Wie sehr profitieren Anleger?
12.02.2026 14:32
Der ungewöhnlich kalte Winter hat tausende neuer Schlaglöcher in Deutschlands Straßen gesprengt. Für die Reparatur sind die Kommunen zuständig, aber da fehlt das Geld an allen Ecken 
12.02.2026 13:30
Warum ist die AfD gerade in Ostdeutschland so erfolgreich – und was, wenn die Partei dort an die Macht gelangt? Darüber schreibt Autorin Jana Hensel in ihrem neuen Buch.
12.02.2026 11:59

Das Chaos in den USA sollte Urlauber aus dem Ausland eigentlich abschrecken. Doch warum ist der Einbruch nicht noch größer?

Glaubt man diversen Clips auf Youtube und Tiktok, dann ist der Tourismus in die USA mindestens im freien Fall, wenn nicht gar schon zum Erliegen gekommen. Da steht er dann in Washington D.C., der Fremdenführer, dessen Gruppen zu Einzeltouren geschrumpft sind; das Zimmermädchen aus Las Vegas, das um seinen Job bangt. Einzelfälle oder Stimmungsbild? Im Freundeskreis beschäftigt sich derzeit auch niemand mit Disney World oder dem Yellowstone-Nationalpark. Am Küchentisch wirkt es ziemlich plausibel, dass die USA unter Donald Trump von der Wunschliste vieler Europäer und Asiaten rutschen.

Die große Delle? „Blame Canada“

Und auf den ersten Blick sieht es genau danach aus, einer handfesten Krise im US‑Tourismus, vor allem in und aus Kanada. Der wichtigste Quellmarkt mit über 20 Millionen Besuchern nimmt die präsidialen Äußerungen zu einer möglichen Annexion weiterhin übel und hat bereits 2025 massiv umgebucht. Privatreisen aus Kanada in die USA brachen rund 30 Prozent ein, Flugbuchungen sogar um bis zu 75 Prozent, während stabile 80 Prozent der Geschäftsreisen kanadischer Manager weiterhin in den Süden führten.

In Europa ist das Bild etwas verschwommener. Für den Zeitraum bis November 2025 meldete die „New York Times“ ein Minus von knapp zwölf Prozent bei deutschen und sieben Prozent bei französischen Reisenden, das Statistische Bundesamt verzeichnet für Januar bis September rund 1,3 Prozent weniger Fluggäste, die auf deutschen Flughäfen Maschinen mit US-Zielen bestiegen. 

Beim Veranstalter Dertour, dem hierzulande führenden Anbieter für Nordamerika-Reisen, liegen die USA‑Buchungen 2025 im niedrigen zweistelligen Prozentbereich unter dem Vorjahr. Eine klare Trump-Delle, aber kein Totalschaden. Aktuelle Daten zeigen für 2026 einen Rückgang der Buchungen für Flüge aus Europa um rund 14 Prozent. Gleichzeitig berichtet Tilo Krause‑Dünow von Canusa Touristik, dass viele Kunden angesichts der politischen Lage länger zögerten. Ein späterer Run sei möglich.

Nun ließe sich einwenden, dass es solche Dellen schon immer gegeben habe. Das wäre allerdings extrem kurzsichtig. Der aktuell noch moderate Rückgang ist nämlich kein isoliertes Ereignis, sondern die Beschleunigung eines langfristigen Trends: Der US‑Anteil am weltweiten Reisemarkt ist seit Mitte der 1990er Jahre von gut acht auf knapp fünf Prozent gefallen. Das liegt nicht nur an Trump, sondern auch am Aufstieg neuer Destinationen in Asien und im Nahen Osten sowie dem vergleichsweise bürokratischen US‑Visasystem. Und die Dekrete, Statements und Memes aus dem Weißen Haus helfen nicht bei einer Wende.

Ermüdungserscheinungen in US-Hotellerie

Nach der kräftigen Erholung der Jahre 2021 bis 2023 und einem bereits deutlich gebremsten Plus 2024, ist 2025 das erste Jahr, in dem die US‑Hotellerie bei Auslastung und Umsatz pro Zimmer wieder leicht zurückfällt. Laut Daten des Analysehauses Costar sank die Auslastung auf 62,3 Prozent – ein Rückgang um gut einen Prozentpunkt – und auch der Umsatz pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) ging leicht um 0,3 Prozent zurück. Klingt homöopathisch, summiert sich aber branchenweit betrachtet. Zwar stiegen die durchschnittlichen Zimmerpreise (ADR) weiter auf rund 160 Dollar, doch konnte das die schwächelnde Nachfrage nicht ausgleichen. 

Im Gegensatz zu reinen Ferienzielen wie in Florida, Nevada und auch Zielen der Westküste schlagen sich Metropolen wie New York und Los Angeles weiter ziemlich wacker
Im Gegensatz zu reinen Ferienzielen wie in Florida, Nevada und auch Zielen der Westküste schlagen sich Metropolen wie New York und Los Angeles weiter ziemlich wacker
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Der Branchenanalyst Jan Freitag sprach gegenüber der „New York Times“ von „einem verlorenen Jahr“ mit ständig weiter nach unten korrigierten Prognosen. Ohne, dass die US‑Wirtschaft in einer Rezession steckt. Parallel geriet auch der Arbeitsmarkt ins Rutschen: Im Herbst 2025 verlor der Freizeit‑ und Gastgewerbesektor zehntausende Jobs, während die Arbeitslosenquote paradoxerweise sank. Ein rein statistischer Effekt durch Abkühlung in anderen Branchen. Und trotz Rekordlöhnen von insgesamt 125 Mrd. Dollar liegt die Beschäftigung noch immer rund neun Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019.

Lodging Econometrics, ein auf Hotels spezialisierter Datenanbieter, zählte Ende des dritten Quartals 2025 in den USA noch rund 6200 geplante Projekte mit insgesamt 730.000 Zimmern. Erstmals seit vier Jahren schrumpft diese Pipeline jedoch, die Zahl der tatsächlich im Bau befindlichen Hotels liegt rund sechs Prozent unter Vorjahresniveau. Das prominenteste Signal kommt von Disney: Der Konzern halbierte seine US‑Investitionspläne von 60 auf 30 Mrd. Dollar.

Darf man einreisen oder nicht? Und: Will man überhaupt noch? Das Reiseland USA ist in Turbulenzen
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WM 2026: Silberstreif mit Fragezeichen

Zur Fußball‑WM 2026 hoffen die USA auf einen Tourismusschub. Nur: Auch Fußball ist längst kein Selbstläufer mehr. Das Analysehaus Tourism Economics erwartet im Juni zwar rund zehn Prozent mehr internationale Ankünfte, gleichzeitig prognostiziert die U.S. Travel Association für das Gesamtjahr 70,4 Millionen Besucher – weniger als 2024 mit 72,4 Millionen. 

Aus der Branche sind bereits erste Warnsignale zu hören: In internen Auswertungen ist von zehntausenden vorab reservierten Hotelnächten in Gastgeberstädten die Rede, die im Zuge hoher Preise, Visa‑Sorgen und Boykottaufrufen wieder aus den Systemen verschwunden sind – offizielle Stellen haben diese Zahlen bislang nicht bestätigt. 

Ex‑FIFA‑Präsident Sepp Blatter und deutsche Politiker brachten einen europäischen Boykott ins Spiel, den die Bundesregierung jedoch ablehnte. Ökonomen wie Lucas Guttenberg und Tourismusexperte Adam Sacks rechnen trotzdem damit, dass das Turnier wirtschaftlich hinter den Erwartungen zurückbleibt, weil vor allem Wohlhabende reisen, während die Mittelschicht angesichts hoher Kosten und Reputationsschäden fernbleibt.

Die USA trommeln unterdessen erstaunlich leise für sich: Das Budget der nationalen Tourismusagentur „Brand USA“ wurde 2025 von 100 auf nur noch 20 Mio. Dollar gekürzt, während Länder wie Spanien, Frankreich oder Australien dreistellige Millionenbeträge ins Standortmarketing stecken. Ein parteiübergreifendes Gesetzespaket (VISIT USA Act) soll die Mittel zwar wieder erhöhen, ist bislang aber nicht verabschiedet. 

Geschäftsreisen in die USA stabil

Gleichzeitig bleibt ein Punkt in der Debatte oft unterbelichtet: Der Geschäftsreiseverkehr in die USA hält sich stabil. Laut SAP Concur entfielen 2025 rund 15 Prozent aller internationalen Business‑Trips auf die USA – etwa doppelt so viele wie auf Deutschland als Nummer zwei. Die Achse Kanada–USA legte sogar leicht zu. Der „Trump Slump“ zeigt sich damit vor allem im Freizeittourismus und in der Stimmungslage, während der Geschäftstourismus – also Kongresse, Messen und Firmenreisen – weitgehend intakt bleibt.

Am Ende bleibt die Frage: Wohin steuert das Reiseland USA? Im Basisszenario sorgt die WM 2026 für einen kurzen Schub, während verschärfte Einreiseregeln, politische Spannungen und ein schwächeres Nation‑Branding eine echte Trendwende verhindern. 

In der Eskalationsvariante drücken Boykottdebatten und neue Konflikte den US‑Anteil am globalen Tourismus weiter nach unten, während Kanada, Mexiko und Europa profitieren. Helfen würde ein Kurswechsel, doch dafür liefert das Oval Office wenig Anhaltspunkte. Sicher ist: Amerika wird nicht über Nacht vom Thron der Traumdestination stürzen, aber der Putz bröckelt.

12.02.2026 11:02
Der erste Job bringt Geld aufs Konto, ein Cashpuffer ist gebildet und Schulden getilgt. Zeit, um zu investieren: Capital liefert eine Anleitung, wie man 25.000 Euro im Alter von 30 Jahren anlegt
12.02.2026 10:26
Der Fall Jeffrey Epstein offenbart ein Netzwerk Superreicher, die Regeln und Gesetze verachten und Demokratie untergraben. Unser Autor findet: Wir müssen uns dagegen wehren
12.02.2026 10:17
Der Dow Jones notiert auf Rekordhoch. Inzwischen übertrifft er mit seiner Performance andere US-Indizes wie den S&P 500 und Nasdaq. Der Grund liegt ausgerechnet in der weitaus traditionelleren Ausrichtung