Capital Wirtschaftsnachrichten
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk profitiert von einem starken Start der neuen Wegovy-Pille und hebt seinen Ausblick für 2026 leicht an. Die Aktie legt deutlich zu
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk blickt dank eines starken Verkaufsstarts seiner neuen Abnehmpille etwas optimistischer auf das Gesamtjahr. Für 2026 erwartet das Unternehmen nun einen währungsbereinigten Rückgang bei Umsatz und Betriebsgewinn von vier bis zwölf Prozent. Zuvor war das Unternehmen von einem Minus von fünf bis 13 Prozent ausgegangen. „Der starke Absatz von Wegovy zusammen mit dem anhaltenden Wachstum im internationalen Geschäft hat uns dazu veranlasst, unsere Prognose für 2026 anzuheben“, erklärte Konzernchef Mike Doustdar am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalsbilanz.
Die Aktie gewann am Mittwochvormittag in der Spitze mehr als 7,5 Prozent. Auch in den vergangenen Tagen war der Titel bereits auf Erholungskurs.
Im ersten Quartal sank der bereinigte Betriebsgewinn währungsbereinigt um sechs Prozent auf 32,86 Mrd. Dänische Kronen (rund 4,4 Mrd. Euro). Analysten hatten einen stärkeren Rückgang auf 28,74 Mrd. Kronen befürchtet. Novo Nordisk setzt große Hoffnungen auf seine im Januar in den USA eingeführte Wegovy-Pille, um die Folgen des harten Preiskampfs bei Adipositas-Medikamenten abzufedern. Mit mehr als zwei Millionen Rezepten seit dem Marktstart verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben die bislang stärkste Einführung eines GLP-1-Medikaments in den USA.
Novo Nordisk vs. Eli Lilly
Zudem brachte der Konzern im April eine höher dosierte Wegovy-Spritze auf den US-Markt, die in Studien zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von fast 21 Prozent führte. Der Konzern steht in einem intensiven Wettbewerb mit dem US-Rivalen Eli Lilly. Dieser hatte Anfang April von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für sein Konkurrenzpräparat Foundayo erhalten und Novo Nordisk damit die Stellung als alleiniger Anbieter einer Abnehmpille in den USA streitig gemacht.
Hinter Novo Nordisk liegt ein schwieriges Jahr. Rückschläge bei klinischen Studien und unerwartet schwache Umsätze hatten das Unternehmen unter Druck gesetzt. Seit dem Höchststand im Jahr 2024 hat der Konzern mehr als 400 Mrd. Dollar an Börsenwert verloren.
Die aktuellen Quartalszahlen wurden zudem durch einen Sondereffekt stark verzerrt: Eine Rückstellung für ein US-Rabattprogramm in Höhe von 4,2 Mrd. Dollar wurde aufgelöst. Dadurch schoss der Umsatz um 32 Prozent auf 96,82 Mrd. Kronen in die Höhe, während die bereinigten Erlöse aufgrund gesunkener Verkaufspreise um vier Prozent nachgaben.
Auch Vorgesetzte müssen sich im Bewerbungsgespräch gut präsentieren. Stattdessen erlebt Maren Lehky oft gelangweilte Chefs, die die falschen Fragen stellen
Capital: Frau Lehky, unterschätzen viele Vorgesetzte, dass auch sie sich im Vorstellungsgespräch bewerben?
MAREN LEHKY: Ja, eindeutig. Es gibt immer noch viele, die glauben, dass sich der Arbeitnehmer verkaufen muss. Dabei ist es eher andersrum der Fall.
Trotz Wirtschaftskrise?
Ja, denn Unternehmen brauchen immer noch neun bis zwölf Monate, um bestimmte Stellen nachzubesetzen. Die Krise ist in den meisten Unternehmen bei den Bewerbungsgesprächen noch nicht angekommen. Viele Vorgesetzte haben den Zeitenwechsel nicht nachvollzogen. Da wird weiter unter dem Tisch mit dem Handy rumgedaddelt oder hektisch in Unterlagen geblättert, weil sie sich nicht vorbereitet haben. Sie verstehen nicht, was das für einen Eindruck macht und dass man sich das heute als Arbeitgeber wirklich nicht mehr leisten kann.
Bewerber erwarten mehr?
Früher waren Bewerber toleranter oder hatten schlicht keine Wahl. Heute ist das anders, da werden auch mal die Augen verdreht.
Wie viele Vorgesetzte gehen schlecht vorbereitet in ein Vorstellungsgespräch?
50:50 würde ich sagen.
Also schon ein grassierendes Problem.
Ja, deshalb ist es umso wichtiger, dass Vorgesetzte sich vorbereiten, vielleicht auch von der Personalabteilung gecoacht werden. Ihnen muss klar sein, dass sie ganz viele Fragen stellen müssen. Ich sollte den Bewerber sich um Kopf und Kragen reden lassen. Natürlich im guten Sinne. Denn nur so kann ich feststellen, ob jemand wirklich ins Team und zu den Werten des Unternehmens passt.
Stattdessen schauen Chefs nur auf den Lebenslauf?
Sehr oft, ja. Dabei wird unterschätzt, dass es am Ende selten an Fachkenntnissen scheitert, sondern an der persönlichen Passung oder an der Enttäuschung, wenn sich der Bewerber etwas ganz anderes vorgestellt hat oder es mit dem Team nicht funktioniert. Es sind fast immer die Soft Facts, die in der Probezeit zur Trennung führen.
Also kann es auch am schlechten Bewerbungsgespräch liegen, wenn die Führungskraft schnell kündigt?
Das kann gut sein. Vielleicht wurde nicht genug erklärt, wie komplex eine Position ist. Wenn es 1000 Prozesse gibt, an die ich mich halten muss, sollte ich das besser vorher wissen. Stattdessen wurde mir das Unternehmen vielleicht als agiles Start-up-Unternehmen verkauft. Umgekehrt gibt es aber Leute, die es mögen, sehr durchorganisiert zu arbeiten. Das muss ich als Vorgesetzter herausfinden. Es gibt oft kein richtig oder falsch in den Antworten, sondern nur passend oder nicht passend zu Aufgabe, Unternehmen, Team.
Ist es deshalb möglicherweise sinnvoll, einen Kollegen aus der Personalabteilung dabei zu haben?
Auf jeden Fall. Viele Chefs hören sich sehr gerne reden und kommen am Ende zu Schluss: „Das war ein gutes Gespräch.‟ Wir Personaler haben hingegen ganz andere Fragenkataloge und können mit einem neutralen Blick besser hinschauen.
Was für Fehler beobachten Sie noch häufig?
Insgesamt wird nicht verstanden, dass man sein Bestes geben muss. Der Raum ist vielleicht nicht aufgeräumt und nicht für den Besuch hergerichtet. Der Vorgesetzte trägt einen alten Pullover mit Knötchen. Wenn man jemanden umwirbt, muss man sich ja „hübsch‟ machen. Ich habe auch schon Vorgesetzte gesehen, die während des Gesprächs ganz konzentriert Männchen kritzeln und auf ihren Block schauen.
Ernsthaft?
Manche Menschen können sich dabei tatsächlich besser konzentrieren und hören durchaus zu. Aber Menschen brauchen Resonanz. Es geht nicht, einander nicht in die Augen zu schauen. Die erste Runde kann gern virtuell passieren. Aber das zweite Gespräch muss persönlich stattfinden. Ich lese Körpersprache mit meinem Körper. Das ist wichtig für Vertrauen und Einordnen.
Der direkte Vorgesetzte muss immer mit im Vorstellungsgespräch sein?
Unbedingt. Ich muss als Bewerber ja wissen, wer morgen mein Gegenüber ist. Ob ich jemanden mag oder nicht, entscheidet sich blitzschnell. Viele Bewerber möchten außerdem Probearbeiten, das Team kennenlernen. Das ist ein Trend.
Was sollte ein Vorgesetzter noch tun?
Blickkontakt halten. Lächeln wäre auch nicht schlecht. Und offene Fragen stellen. Nicht solche, auf die man mit „Ja‟, „Nein‟, „Weiß nicht‟ antwortet.
Was zum Beispiel?
Spannende Fragen wären solche nach Werten, Einstellung zur Arbeit, Work-Life-Balance, familiärer Belastung, wie viel Karriere jemand machen möchte oder ob der Job nur fürs Geldverdienen da ist. Das ist ja auch in Ordnung. Außerdem stellen Bewerber selbst immer mehr Fragen. Viele Vorgesetzte sind da überrumpelt.
Was für Fragen?
Wie lange arbeiten Sie schon hier? Warum sind Sie immer noch in dieser Firma? Was motiviert Sie, morgens aufzustehen? Wie führen Sie?
Was antworte ich da als Vorgesetzter, wenn ich nicht gerade für meinen Job brenne?
Deshalb ist es wichtig, sich seelisch auf solche Fragen einzustellen. Sie sagen natürlich nicht: „Ich bin seit sieben Jahren hier, aber hatte keinen Bock, mich woanders zu bewerben‟. Stattdessen könnten Sie antworten: „Es gab hier viele spannende Veränderungen und ich hänge an dem Standort, ich habe schulpflichtige Kinder.‟ Oder Sie sagen: „Das ist eine interessante Frage, die habe ich mir noch nicht gestellt‟ und gewinnen so einige Sekunden Zeit zum Nachdenken.
Eine Antwort aber nicht verweigern?
Nein. Alles, was den Anderen zurückweist, beeinträchtigt die Stimmung. Außerdem will mich der Bewerber ja kennenlernen.
Kann ein gutes Vorstellungsgespräch auch verhindern, dass der Bewerber trotz Zusage nicht zur Arbeit erscheint?
Dass das passiert, höre ich tatsächlich häufiger von Kollegen. Ja, je stärker die Bindung aus dem Vorstellungsgespräch ist, desto geringer ist das Risiko. Deshalb würde ich am Ende des letzten Gesprächs auch immer eine Bindungsfrage stellen: „Was brauchen Sie von uns, um sich für uns zu entscheiden?‟ Das sorgt für Klarheit und mehr Verbindlichkeit.
Kommt es auch vor, dass Vorgesetzte einen Job zu rosig ausmalen?
Auf jeden Fall und gar nicht mal mit böser Absicht.
Wie ehrlich sollte ein Vorgesetzter sein, wenn die Lage gerade schwierig ist?
Es ist nur fair, die Karten auf den Tisch zu legen. Wenn ich drei Dauerkranke im Team habe und weiß, dass es ein halbes Jahr lang eng wird, muss ich das sagen: „Der Druck wird für alle ein bisschen höher sein. Ich weiß, dass die Bedingungen für Ihre Einarbeitung nicht ideal sind. Aber Sie werden trotzdem vernünftig eingearbeitet und ich stehe immer für Fragen zur Verfügung.‟
Transparenzhinweis: Dieser Text stammt aus dem Archiv und erschien erstmals im Februar 2026. Er wurde erneut geprüft und veröffentlicht.
Haben führende Open-AI-Manager ihre gemeinnützige Mission verraten, weil sie doch aufs Geld scharf waren? Mit Auszügen aus Greg Brockmans Notizen will Elon Musk genau das belegen
Diese Zeilen könnten noch unangenehm für OpenAI werden: Jüngste Enthüllungen aus dem Prozess zwischen Elon Musk und OpenAI werfen kein gutes Licht auf das Geschäftsgebaren des Start-ups. Im Zentrum stehen Auszüge aus den Tagebüchern von OpenAI-Präsident Greg Brockman, die während der Voruntersuchung offengelegt wurden. Das berichtet die britische „Financial Times“.
In der von Elon Musk angestrengten Klage wird Brockman und OpenAI-Chef Sam Altman vorgeworfen, von ihrem ursprünglichen Ziel der Gemeinnützigkeit abgerückt zu sein. Musk war ein früher Geldgeber des ChatGPT-Entwicklers und formulierte bereits vergangene Woche bei seiner Aussage vor Gericht schwere Vorwürfe gegen Altman und Brockman. „Es ist nicht okay, eine wohltätige Organisation zu stehlen“, sagte er zum Prozessauftakt. Altman war ebenfalls im Saal, seine Aussage ist aber erst später geplant.
Musk sieht es so, dass die Verantwortlichen OpenAI von einer zunächst gemeinnützigen KI-Forschungsorganisation zu einer Firma gemacht haben, deren gesamter Wert in einen profitorientierten Teil ausgelagert worden sei. Das stehe der ursprünglichen Mission entgegen. Mit Brockmans Tagebucheinträgen versuchen Musk und sein Anwalt, diesen Vorwurf zu belegen. OpenAI wiederum wirft Musk vor, er nutze seine Klage, um die gemeinnützige OpenAI Foundation anzugreifen, und dass Musk selbst die Profitorientierung vorangetrieben hätte.
Musk gegen OpenAI: Tagebucheinträge von 2017
Die Einträge in Brockmans Tagebuch stammen aus dem Jahr 2017. Damals tobte schon ein erbitterter Machtkampf zwischen Brockman, Altman und Musk um die Ausrichtung von OpenAI. Besonders brisant sind die Stellen, in denen Brockman offen über den Wechsel zu einem profitorientierten Modell nachdenkt und persönliche Gewinne thematisiert, die sich demnach zu diesem Zeitpunkt auf fast 30 Mrd. Dollar summiert haben sollen. Musks Anwalt Steven Molo konfrontierte Brockman mit mehreren seiner Einträge. So notierte dieser etwa:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das hier ohne heftigen Streit in ein gewinnorientiertes Unternehmen umwandeln können … [Musk] wird zu Recht behaupten, dass wir am Ende nicht ehrlich zu ihm waren, was unsere Absicht angeht, weiterhin gewinnorientiert zu arbeiten – nur eben ohne ihn.
An anderer Stelle schreibt er:
Eine weitere Erkenntnis daraus ist, dass es falsch wäre, ihm die gemeinnützige Organisation wegzunehmen … Das wäre moralisch ziemlich verwerflich. Und er ist wirklich kein Dummkopf.
Diese Zeilen machen die Tagebücher zu einem schwachen Punkt in der Verteidigung von Altman und Brockman, weil sie Belege liefern könnten, dass finanzielle Motive bereits früh eine Rolle spielten.
Noch deutlicher wird es, wenn Brockman seine eigenen finanziellen Ziele anspricht. In einem Eintrag vom September 2017 fragt er:
Das ist unsere einzige Chance, uns von Elon loszusagen … Was muss ich finanziell tun, um auf 1 Milliarde Dollar zu kommen?
Molo verwies laut „FT“ auch auf eine Passage, in der Brockman schrieb: „Wir haben darüber nachgedacht, dass wir vielleicht einfach auf ein gewinnorientiertes Modell umsteigen sollten. Geld zu verdienen klingt für uns großartig und so“ und „es wäre schön, Milliarden zu verdienen“.
Musk droht per SMS
Brockman versuchte während des Kreuzverhörs, die Passagen als Ausdruck von Frustration zu erklären: Sie seien „eine Reaktion auf den Streit mit Elon Musk“ und keine konkrete Handlungsanweisung gewesen. Er sagte, dass „die Erfüllung der Mission schon immer meine Hauptmotivation war“, räumte jedoch ein, dass „die Vergütung sicherlich eine sekundäre Motivation darstellt“. Den Vorwurf, dass die Zuteilung von Anteilen im Wert von fast 30 Mrd. Dollar einen Verstoß gegen seine Treuepflichten als ehemaliges Vorstandsmitglied der gemeinnützigen Organisation darstelle, wies er zurück. Dennoch sind die Auszüge aus seinen Aufzeichnungen eine Schwachstelle in der Argumentation von OpenAI.
Eine gütliche Einigung scheint nicht in Sicht, das zeigt auch der SMS-Verkehr zwischen Musk und Brockman. Wie die „FT“ schreibt, schickte Musk Brockman kurz vor Prozessbeginn eine Textnachricht, um Chancen für einen Vergleich auszuloten. Als dieser vorschlug, dass beide Seiten ihre Ansprüche fallen lassen sollten, antwortete Musk: „Bis Ende dieser Woche werden du und Sam die meistgehassten Männer Amerikas sein. Wenn ihr darauf besteht, wird es so kommen.“
Werksschließungen, sinkende Impfstoff-Umsätze und steigende Verluste: Biontech spart massiv und setzt alles auf Krebsforschung – doch der Kurswechsel hat seinen Preis
Der Impfstoffhersteller Biontech plant die Schließung mehrerer Produktionsstandorte. Das Mainzer Unternehmen begründete die Einschnitte mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen.
Betroffen von den Plänen seien die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Standorte vom übernommenen Konkurrenten Curevac. Insgesamt bis zu 1860 Stellen könnten von den Maßnahmen betroffen sein, kündigte das Management des Biopharma-Unternehmens an.
Einsparungen von bis zu 500 Mio. Euro
Geplant ist, die Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bis Ende 2027 zu schließen. Der Betrieb in Singapur soll voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingestellt werden. Geplant sei ein partieller oder vollständiger Verkauf.
Das Biopharma-Unternehmen rechnet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im Jahr 2029 mit wiederkehrenden jährlichen Einsparungen von bis zu rund 500 Mio. Euro. Die Mittel sollen für die Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Medikamenten gegen Krebs eingesetzt werden.
Betriebsräte und Gewerkschaft entsetzt: Kahlschlag
Die Betriebsräte der betroffenen Standorte sprachen nach der Bekanntgabe der geplanten Werkschließungen von inakzeptablen und verantwortungslosen Plänen des Managements. Die Arbeitnehmervertreter kündigten entschiedenen Widerstand der Beschäftigten an. Die Betriebsräte äußerten die Hoffnung, dass die angedrohte Stilllegung der Werke durch den Verkauf an einen Investor verhindert werden könnte.
Die Gewerkschaft IG BCE kritisierte „den geplanten Kahlschlag“. Im Konzern hätten offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen, sagte der Leiter des Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland, Roland Strasser. „Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotech-Standorts Deutschland.“
Nicht der erste Stellenabbau
Es ist nicht der erste Jobabbau bei Biontech. Nachdem das Unternehmen 2024 mit Millionen in die roten Zahlen gerutscht war, wurde ein Stellenabbau über drei Jahre bis Ende 2027 angekündigt. Es sollte 950 bis 1350 Vollzeitäquivalente weniger in Europa und Nordamerika geben. Zum Zeitpunkt der Ankündigung kam das Biopharma-Unternehmen nach eigenen Angaben global auf etwa 7200 Beschäftigte.
Betroffen von den Plänen waren unter anderen auch damals schon die Standorte in Marburg und Idar-Oberstein. Als Begründung nannte das Management vor rund einem Jahr bereits die geringere Nachfrage nach dem Covid-Impfstoff.
Weniger Umsatz mit Covid‑19-Impfstoffen
Im ersten Quartal verbuchte Biontech einen zurückgehenden Umsatz. Die Erlöse lagen bei 118,1 Millionen nach 182,8 Mio. Euro in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Der Rückgang sei vor allem auf niedrigere Umsätze mit den Covid‑19-Impfstoffen zurückzuführen.
Der Nettoverlust stieg an und betrug den Angaben zufolge 531,9 Mio. Euro. Im ersten Quartal des Vorjahres lag der Wert bei 415,8 Mio. Euro. Als Grund für die Entwicklung nannten die Mainzer höhere Kosten für die Entwicklung von Programmen für die Immunonkologie.
Herstellung von Covid-19-Impfstoff vollständig bei Pfizer
Angesichts der hohen Entwicklungskosten hatte Biontech bereits das Vorjahr mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Für dieses Jahr rechnet Biontech sowohl auf dem europäischen als auch auf dem US-amerikanischen Markt mit geringeren Umsätzen aus dem Geschäft mit Covid-19-Impfstoffen.
Für die Impfsaison 2026/27 werde die Entwicklung eines an Varianten angepassten Covid-19-Impfstoffs vorbereitet. Biontech kündigte an, dass die Herstellung des Covid-19-Impfstoffs künftig vollständig von den Pfizer-Standorten in Europa und Amerika abgedeckt werde.
Weltweiter Erfolg in der Coronapandemie
In der Coronapandemie war Biontech weltbekannt geworden, weil das Mainzer Unternehmen gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekam. Dieser spülte in der Folge Milliardengewinne in die Kassen der Mainzer.
Für 2026 erwartet das Unternehmen, dessen Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci spätestens Ende dieses Jahres ausscheiden werden, Erlöse zwischen 2,0 Milliarden und 2,3 Mrd. Euro.
Onkologie im Fokus
Das Biopharma-Unternehmen entwickelt Medikamente auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten. Grob gesagt soll mittels mRNA dem Immunsystem der Patientin oder des Patienten geholfen werden, Krebszellen anhand bestimmter Merkmale zu erkennen und zu zerstören.
Jüngst wurde das Biotechnologieunternehmen Curevac mit Sitz in Tübingen übernommen. Bis 2030 wollen die Mainzer mehrere Zulassungsanträge für Onkologie-Kandidaten gestellt haben.
Biontech-Gründer wollen neues Unternehmen gründen
Biontech wurde 2008 von Sahin und Türeci gegründet. Die Eheleute wollen nun eine neue Firma gründen. In dem neuen Unternehmen möchten sich die beiden Mediziner der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen. Anteilseigner von Biontech werden sie aber bleiben.
Nach dem angekündigten Abschied der Gründer läuft die internationale Suche nach einer neuen Unternehmensführung. Der Fokus liege auf den Vereinigten Staaten, teilte das Unternehmen jüngst mit.
Vor 25 Jahren kaufte die Deutsche Post den US-Logistiker DHL. Heute dominiert das Auslandsgeschäft, und der Konzern ordnet sich neu: Die Deutsche Post AG wird zur Tochter von DHL
Die Deutsche Post legt aller Voraussicht nach ihren Konzernnamen ab und heißt künftig DHL. Einen entsprechenden Antrag, der auch eine neue Konzernstruktur enthielt, stellte der Vorstand bei der Hauptversammlung am Dienstag in Bonn vor. „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich unser Unternehmen von der ehemaligen Deutschen Bundespost zu einem weltweit führenden Logistikkonzern entwickelt“, sagte Konzernchef Tobias Meyer. Es sei überfällig, die historisch gewachsene Konzernstruktur den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Die Zustimmung am Nachmittag galt als Formalie. Mit ihr wird der Namenswechsel vermutlich zum 1. September vollzogen sein, dann soll der Sachverhalt im Handelsregister eingetragen sein.
Der Logistiker macht nur noch etwa ein Fünftel seines Geschäfts mit seinem traditionellen Postgeschäft, also dem Transport von Briefen und Paketen. Der Rest entfällt auf globale Konzernbereiche wie das Expressgeschäft und Frachtgeschäft. Schon vor zwei Jahren hatte das Unternehmen seinen Markennamen von Deutsche Post DHL zu DHL geändert, rechtlich blieb es aber beim Namen Deutsche Post AG. Auch an der Börse wird das Unternehmen künftig DHL heißen. Die Umbenennung samt neuer Struktur kostet nach Angaben von Meyer rund 37 Mio. Euro.
Die Deutsche Post AG ist eine Nachfolgerin der Bundespost, die in den 90er-Jahren schrittweise privatisiert wurde. 2002 kaufte die Firma den US-Logistiker DHL, danach wurde das Auslandsgeschäft immer wichtiger. Das Kürzel DHL steht für deren Firmengründer Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn. Der Bonner Logistikkonzern hat rund 534.000 Vollzeitstellen, etwa ein Drittel davon sind in Deutschland.
Deutschlandtochter wird Deutsche Post AG genannt
Ganz verschwinden wird der Firmenname Deutsche Post AG aber nicht: Stand der Name bislang für den Gesamtkonzern, so steht er künftig nur noch für die neu gegründete Tochterfirma Deutsche Post AG, die das Deutschlandgeschäft verantwortet, also den Transport von Briefen und Paketen. Diese neue Tochterfirma bekommt auch einen Aufsichtsrat, dessen Kosten samt Extra-Verwaltungskosten sich den Angaben nach auf 3 Mio. Euro pro Jahr belaufen.
Bislang war das Stammgeschäft in die übergeordnete Holding eingebettet. Dieses rechtlich kuriose Konstrukt lag gewissermaßen an historischen Altlasten als ehemaliges Staatsunternehmen Bundespost. Künftig steht das Brief- und Paketgeschäft in der Konzernstruktur nicht mehr übergeordnet über den anderen Konzernbereichen, sondern gleichrangig neben ihnen.
„Für unsere Beschäftigten ergeben sich keinerlei Nachteile, ihre Interessen bleiben vollständig gewahrt – inklusive Lohn, Arbeitszeit und Schutzregeln“, betonte Konzernchef Meyer. Auch im Management ändere sich nichts.
Schritt hin zur Trennung vom Briefgeschäft?
Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) meldete sich zu Wort und fragte, es sei zwar gut, dass Nachteile ausgeschlossen würden, aber was seien denn die Vorteile? Er ließ Zweifel erkennen, wollte aber trotzdem dafür stimmen. Ein anderer Aktionär sagte, er sehe wirtschaftlich keine Vorteile.
Die neue Struktur schaffe mehr Klarheit, antwortete Firmenchef Meyer. Der frühere McKinsey-Berater arbeitet seit 2013 in dem Konzern, seit 2023 sitzt er auf dem Chefsessel. Sein Vorgänger Frank Appel hatte den Namenswechsel von Deutscher Post zu DHL noch gescheut, weil er Frust der Beschäftigten im Inland befürchtete.
Hendrik Schmidt vom Vermögensverwalter DWS sagte bei der Hauptversammlung, dass die Umbenennung samt neuer Konzernstruktur als ein Schritt hin zu einer Verselbstständigung – also perspektivisch zur Trennung vom Stammgeschäft - verstanden werden könne. Das Stammgeschäft verbleibe im Konzern, antwortete DHL-Chef Meyer. „Wir haben keine Absicht, weitergehende strategische Optionen zu nutzen und glauben, dass wir weiter der beste Eigentümer für das deutsche Post- und Paketgeschäft sind.“
Allerdings benötige es auch „verlässliche und auskömmliche regulatorische Rahmenbedingungen“, um die kostspielige postalische Versorgung Deutschlands erbringen zu können, sagte Meyer. Als sogenannter Universaldienstleister muss sich die Firma an Regeln halten: So muss sie mindestens 12.000 Filialen haben und Briefkästen müssen gut erreichbar sein. Außerdem darf sie das Briefporto nur mit staatlicher Zustimmung erhöhen. Aus Sicht des gelben Riesen fällt der bewilligte Preisaufschlag immer wieder zu niedrig aus.
Eintragung im Handelsregister im Spätsommer
Das deutsche Briefgeschäft ist für den Logistiker eher ein Sorgenkind: Im Digitalzeitalter verschicken die Menschen und Firmen immer weniger Briefe, da sie stärker auf digitale Kommunikation setzen. Im ersten Quartal 2026 sackte der Betriebsgewinn im Stammgeschäft deutlich ab und die transportierte Briefmenge brach um rund 13 Prozent ein.
Aus der Politik kam Kritik an dem Vorhaben des Postdienstleisters, sich auf Konzernebene von seinem historischen Namen zu trennen. „Ich finde es schwer verständlich und auch schade, dass sich die Deutsche Post im internationalen Bereich von dieser starken Marke trennt und sie nur noch in Deutschland nutzt“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff.
Früher Zuversicht, heute Zweifel: Selbst gestandene Unternehmer glauben nicht mehr an die Zukunft. Was das mit uns allen macht und wie wir da wieder rauskommen
Neulich sprach ich mit einem guten Freund. Wir kennen uns seit mehr als 20 Jahren; er ist ein optimistischer, anpackender Mensch. Bei unserem letzten Gespräch allerdings meinte er: Markus, ich muss gestehen, ich habe Angst. Angst um mein Unternehmen, Angst um die Zukunft meiner Kinder, Angst um meinen Arbeitsplatz.
Ich musste viel über dieses Gespräch nachdenken. So wie meinem Bekannten geht es momentan vielen Menschen. Man sieht sich konfrontiert mit einer unübersichtlichen Weltlage, ökonomischen Krisen und einer Politik, der man immer weniger vertraut.
Im Radikalen Arbeiten sprechen wir von einer „doppelten Buchführung“ der Veränderung: Wenn wir in einer großen, grundsätzlichen Veränderung stecken (als Mensch, als Unternehmen oder als Gesellschaft), können wir oft weder den Nutzen berechnen („What’s in for me?“) noch die Kosten („Welchen Preis muss ich für die positive Veränderung zahlen?“), den am Ende der Veränderung auf uns wartet.
Dieser Umstand schickt unser Gehirn in eine Lähmung und in ein Motivationstief. Wir Menschen brauchen das Gefühle von Kontrolle über uns und die Welt, die Überzeugung, dass unser Verhalten einen Unterschied macht. Dieses Gefühl haben offensichtlich immer weniger Menschen. Fatalismus scheint das Gebot der Stunde, ein kollektives mentales Schulterzucken, mit dem man sich in die Krise und in seine Angst ergibt.
Wie kommen wir da raus?
- Mach das, was funktioniert und lass alles andere weg. Das ist das erste Prinzip des Radikalen Arbeitens. Konzentriere deine Kräfte auf Dinge, die machbar und wirksam sind. Gerade in Krisenzeiten ist dies eine wertvolle Eigenschaft. Konzentriere dich auf Situationen und Menschen, die du beeinflussen kannst, mit denen du eine produktive Beziehung eingehen kannst. Und sei ehrlich zu dir selbst: Das Abschneiden alter Verhaltenszöpfe kann schmerzhaft sein.
- Notiere jeden Tag Dinge, für die du dankbar bist. Das klingt ein wenig nach Billigratgeber, ist aber wichtig für unser Gehirn. Wir sind evolutionär darauf geprägt, vor allem Probleme und Fehler wahrzunehmen – um sie zu lösen bzw. zu korrigieren. Darüber dürfen wir allerdings die „Motivationsbatterie“ unseres Gehirns nicht vergessen. Wir brauchen Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnt, und die sollte man jeden Tag neu für sich entdecken. Das verringert das Gefühl der Hilflosigkeit.
- Reduziere deinen Social-Media-Konsum drastisch. Social Media dressiert unser Gehirn auf zwei zerstörerische Impulse hin: negative Emotionen (Content geht vor allem viral, wenn er Gefühle wie Wut, Hass oder Empörung auslöst) und den Verlust der Impulskontrolle (durch Doomscrolling und Dark Patterns, die uns kognitiv süchtig machen und uns auf den Plattformen halten sollen). Viele Menschen, die „digital detoxen“, berichten von einer Zunahme an mentaler Klarheit, an Präsenz, an Konzentrationsfähigkeit.
Sind diese Tips besonders „wirtschaftsweise“ oder „geldorientiert“? Das sicher nicht. Aber das Gespräch mit meinem Bekannten hat mir gezeigt, dass wir alle im Moment grundsätzlichere Hilfe brauchen, wie wir mit uns, unserer Angst und der Welt um uns herum umgehen sollen.
Es ist momentan ein wenig wie beim Boxen: Deckung hochnehmen, die Schläge einstecken und irgendwann mit der zweiten Luft wieder angreifen können. So ist das Leben. Denn vor das Gewinnen haben die Götter das Durchhalten gesetzt.
