Capital Wirtschaftsnachrichten


10.05.2026 12:00
Kaum eine europäische Bank wächst so stark wie Revolut. Bankmanager Antoine le Nel über Geldautomaten, Filialen – und warum am Ende die Sparkassen und Volksbanken die Verlierer sein werden
10.05.2026 10:00
Vor ein paar Jahren wollten sich Unternehmen vom sogenannten Shareholder-Value verabschieden. Heute zählt wieder die Gewinnmaximierung. Es gibt einen ETF, der genau darauf setzt – und eine Mischung aus Dividenden- und Value-ETF ist
10.05.2026 08:00

An der Küste Montenegros entsteht mit Luštica Bay eine Ferienanlage auf sieben Quadratkilometern. Das Hotel The Chedi ist ein Teil davon. Unser Kolumnist war dort

Ich habe in meinem Leben schon viele ausgedehnte, idyllisch gelegene Hotelanlagen gesehen. Sogenannte Resorts, die am Reißbrett entstanden sind. Oft wirkten sie steril, seelenlos und wie ein Fremdkörper in ihrer Umgebung. In Luštica Bay, einer zerklüfteten Halbinsel an Montenegros Adriaküste, macht man zum Glück vieles anders. Hier werden nur zehn Prozent der Fläche bebaut, die übrige Natur bleibt unberührt. Bis Ende der 2030er Jahre entsteht so eine fein ziselierte Welt aus Jachthafen, Stadtvierteln und exklusiven Residenzen – und dem bereits eröffneten Luxushotel „The Chedi“ mittendrin.

Quirlige Piazza statt anonymer Flure

Die roten Ziegeldächer, die regionalen Steine und die Düfte von Lavendel und Rosmarin vermitteln mir das Gefühl, als sei das „Marina Village“ schon immer an diesem Ort gewesen. Das erste fertiggestellte Viertel des ehrgeizigen Luštica-Bay-Projektes lockt mit Promenaden, Boutiquen und Restaurants. Das Hotel „The Chedi“ bildet das Herzstück, mit 111 Zimmern und Suiten. Wer ein klassisches geschlossenes Hotelgebäude erwartet, wird überrascht. Das Haus ist architektonisch so zerlegt, dass es wie eine Gruppe herrschaftlicher Wohnhäuser wirkt, die sich auf mehreren Ebenen an den Hang schmiegen.

Wenn ich mein Zimmer verlasse, stehe ich nicht in einem anonymen Gang, sondern mitten auf einer lebendigen Piazza. Die Grenzen zwischen Lobby, Marktplatz, Geschäften und Jachthafen sind angenehm fließend. Neben den Hotelzimmern besitzt das „The Chedi“ auch private (Kauf-)Residenzen oberhalb des Resorts, deren modernes Design sich wunderbar in die wilde Küstenlandschaft einfügt. Wer seine Residenz zeitweise nicht selbst nutzt, kann sie vom Hotel vermieten und managen lassen.

Sanfter Minimalismus als Kraftquelle

Die Interieurs der Zimmer und Suiten sind mit Bedacht eingerichtet – angenehme Oberflächen, warme Holztöne, klare Strukturen, mediterrane Wärme und Reduktion à la Japan. Perfekt zum Durchatmen, wenn man im Alltag unter Hochdruck steht. Von meinem Balkon aus beobachte ich den Trubel im Jachthafen und verstehe, was die Macher des Projektes als „salt-kissed lifestyle“ beschreiben: Die Haut riecht nach Meersalz, das Haar ist vom Wind zerzaust, die Kleidung ist luftig-leicht.

Die Erholung setzt sich im Spa fort, dessen Highlight der beheizte Indoor-Pool ist, dessen riesige Glasfronten den Blick auf die Weite der Bucht freigeben. Heilsame Nähe zum Meer, das ist der echte Thalasso-Effekt, fortgesetzt mit irischer Meeresalgen-Kosmetik der Marke Voya. Und all das inmitten einer Ruhe und Privatsphäre, die man sonst nur aus High-End-Herbergen in den Alpen oder im Oman kennt.

Hotel mit Golfplatz, Meerblick, Luxusresidenzen

Ein weiterer Höhepunkt ist der Golfplatz, der hier gerade entsteht, eine 18-Loch-Signature-Anlage von Gary Player. Der Südafrikaner hat sich neben seiner Spielerkarriere auch als Platz-Designer einen Namen gemacht. Sein Anspruch ist hoch: Jede Bahn soll Meerblick bis zur Adria bieten, ein Merkmal, das weltweit weniger als zehn Prozent aller Golfplätze erfüllen. Die ersten neun Löcher sind für 2026 geplant, der gesamte Course für 2028. Rund um diese grüne Bühne wächst ein eigenes Wohnangebot: von Golfvillen und Townhouses bis zu Apartments mit ein bis drei Schlafzimmern.

Schon die Anreise war für mich wie eine schnelle Abkürzung in ein anderes Leben. Von Zürich, München oder Wien landet man nach weniger als zwei Flugstunden in Tivat. Die Handschrift des Projektes ist sofort erkennbar: Luštica Bay und Andermatt Swiss Alps sind „Schwestern“ unter dem Dach von Orascom Development. Die gemeinsame DNA steckt in vielen Details: von der hohen Bauqualität bis zum Masterplan, der auf Jahrzehnte ausgelegt ist. Das Schweizer Versprechen von Sicherheit und Perfektion, übertragen auf die ungestüme Schönheit des Balkans.

Regionale Schätze und Rückkehr zum Kern

In der Küche des „The Chedi“ arbeitet Chefkoch Boris Djurkovic, dessen Weg ihn von Montenegro bis in europäische Spitzenrestaurants führte. Sein „Farm to Table“-Konzept ist gelebte Überzeugung: Alles, was auf dem Teller landet, stammt von Erzeugern aus der unmittelbaren Nachbarschaft.

Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der Familie Moric, die auf der Halbinsel Luštica seit Generationen preisgekröntes Bio-Olivenöl produziert. Wenn ich im Restaurant „The Spot“ einen fangfrischen Oktopus genieße, der nur mit wilden Kräutern und dem goldgrünen Öl der Morics veredelt wurde, schmeckt das pur, ehrlich und köstlich.

Strategisches Investment in der Sonne

Montenegro punktet bei Urlaubern wie Investoren mit Faktoren, die in Westeuropa selten geworden sind: NATO-Mitgliedschaft, der Euro als Währung, EU-Beitrittskandidat – und das bei vergleichsweise niedriger Steuerlast. Die Macher von Luštica Bay werben mit einer jährlichen Kapitalsteigerung von rund 13 Prozent sowie mit dem Verzicht auf Grunderwerbsteuer beim Erstkauf einer Residenz und einem Körperschaftsteuersatz ab neun Prozent. Durch sein umfangreiches Engagement will Orascom-Eigentümer Sawiris aus Montenegro eine beliebte Destination für nachhaltigen Luxustourismus machen.

Bei einem Glas Vranac-Rotwein am Kai lasse ich den Blick zum Leuchtturm schweifen und denke weiter über einen der am schnellsten wachsenden Tourismusmärkte nach. Keine Frage, die von Salz geküsste Lebensart besitzt definitiv einen großen Reiz – egal ob als Urlauber mit gemietetem Zimmer oder Eigentümer einer Golfvilla. Das Beste: Dieses Glück liegt nur wenige Flugstunden entfernt!

09.05.2026 19:06
Ein ehemaliger Mitarbeiter von JP Morgan wirft seiner früheren Vorgesetzten vor, ihn zum „Sexsklaven im Büro“ gemacht zu haben
09.05.2026 18:00

Milliarden für KI, doch keiner bucht die Kapazitäten: Europas Cloud-Anbieter schlagen Alarm – und stellen die Gigafactory-Strategie der EU infrage

Bei Künstlicher Intelligenz (KI) will die Europäische Union klotzen statt kleckern: Um den Entwicklungsrückstand zu den USA und China aufzuholen und sich technologisch unabhängiger zu machen, will sie 200 Milliarden Euro mobilisieren. Das Geld soll unter anderem in fünf sogenannte KI-Gigafactories fließen. Die Bundesregierung möchte mindestens eine davon in Deutschland ansiedeln.

Inzwischen wachsen aber Zweifel, ob der Bau dieser besonders leistungsfähigen und kostspieligen Rechenzentren sinnvoll ist. „Ich bin kein Freund dieser Gigantomanie“, sagt Andreas Weiss, Geschäftsführer des Internetverbands Eco. „Wir brauchen zwar dringend KI-Rechenkapazitäten, aber die Diskussion um fünf Gigafactories mit Hunderttausenden Prozessoren halte ich für nicht zielführend.“ Er halte es für sinnvoller, mit kleineren Rechenzentren zu beginnen, die abhängig von der Nachfrage ausgebaut werden können.

Denn genau daran hapert es oft – an verbindlichen Buchungen von Rechenkapazität, wie europäische Cloud-Anbieter beklagen. Ohne diese sind milliardenschwere Investitionen in eine Gigafactory ein großes Risiko. Schließlich schlägt ein einziger KI-Hochleistungsprozessor mit mehreren Zehntausend Dollar zu Buche. In Deutschland kommen die vergleichsweise hohen Energiepreise als Hürde hinzu, die von der EU nicht bezuschusst werden.

Größer, schneller, leistungshungriger

Unter Gigafactories verstehen Experten besonders leistungsstarke KI-Rechenzentren mit 100.000 Spezial-Prozessoren (GPUs) oder mehr. Der geplante Serverpark der Schwarz-Gruppe im brandenburgischen Lübbenau spielt in dieser Liga. In der bislang größten Anlage der Deutschen Telekom in München sind 10.000 Chips des Weltmarktführers Nvidia im Einsatz. 

Dem Digitalverband Bitkom zufolge gab es 2025 in Deutschland rund 2000 Rechenzentren, die zusammengerechnet knapp drei Gigawatt Strom verbrauchten. Bis 2030 soll sich dieser Wert um zwei Drittel auf fünf Gigawatt erhöhen. Das entspricht der Leistung von vier bis fünf Atomkraftwerken. In den USA und China sind bereits heute Rechenzentren mit einem Vielfachen dieser Leistungsaufnahme in Betrieb.

Für eine mögliche Gigafactory in Deutschland stehen mehrere potenzielle Anbieter in den Startlöchern und warten auf die EU, die immer noch an der Ausschreibung und den Bedingungen für eine Förderung arbeitet. Einen Termin für die Veröffentlichung der Vorgaben kann die Kommission bislang nicht nennen. Die Niederlande haben sich jedoch bereits von der Idee eines solchen Riesen-Rechenzentrums verabschiedet: „Die Regierung hat sich für eine flexible Weiterentwicklung der KI-Infrastruktur entschieden, die mit der Marktnachfrage wächst“, hieß es Ende März in einem Schreiben an das Parlament. Die Bundesregierung hält an ihren Plänen fest und hat im Haushalt bereits Geld für eine Gigafactory eingeplant, wie das Forschungsministerium betont. Sie will zudem eine Mindestauslastung garantieren. Details nennt sie bislang jedoch nicht.

Vielleicht droht der KI-Initiative der EU ein ähnliches Schicksal wie dem „Chips Act“: Mit diesem will die Kommission die Ansiedlung von Fabriken für die Produktion hochmoderner Halbleiter in Europa fördern. Doch nach großen Ankündigungen verläuft die Initiative im Sande: Der US-Konzern Intel zog seine Pläne für den Bau einer „Megafab“ in Magdeburg zurück. Auch das Vorhaben des US-Konzerns Wolfspeed für ein Chipwerk im Saarland platzte. Das Ziel des „Chips Act“, den Weltmarktanteil bei Halbleitern aus europäischer Produktion bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln, gilt als unerreichbar.

Ja zur digitalen Souveränität, aber nur ein bisschen

Die Politik begründet die Gigafactory-Pläne mit der Notwendigkeit einer größeren technologischen Unabhängigkeit vor allem von den USA. Damit ist es bei den Clouddiensten nicht weit her: Die sogenannten Hyperscaler Amazon Web Services (AWS), Google und Microsoft beherrschen etwa 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. „Ihre Führungsposition basiert auf der Qualität des Angebots und ihres Entwicklungsvorsprungs“, erläutert Analyst Rene Buest von der Beratungsfirma Gartner. Zudem könnten sie weltweit agierenden Kunden Rechenzentren in sämtlichen Regionen anbieten. Dem französischen IT-Verband Cigref zufolge zahlen europäische Nutzer jährlich etwa 285 Mrd. Euro an Cloud- und Firmensoftware-Anbieter aus den USA. Dies seien etwa 80 Prozent der Gesamtausgaben.

Die Bundesregierung will laut ihrer Rechenzentrumsstrategie nun Genehmigungsverfahren beschleunigen sowie wettbewerbsfähige Strompreise sicherstellen, um so die Kosten zu senken. Doch die Branche pocht vor allem auf verbindliche Zusagen, damit sich die milliardenschweren Investitionen in eine Gigafactory rechnen. „Die europäischen Staaten oder die EU-Kommission müssten die größten Kunden sein“, fordert Gartner-Analyst Buest. Das Vorbild seien die USA, die strategische Verträge mit den dortigen Betreibern geschlossen hätten.

Der Grund für die Zurückhaltung sei aber nicht mangelnder Wille, betont Bastian Koller, der Geschäftsführer des Höchstleistungsrechenzentrums der Universität Stuttgart. Sowohl staatliche Institutionen als auch Unternehmen hätten einfach Schwierigkeiten, ihren künftigen Bedarf an Rechenkapazitäten abzuschätzen. Sie seien vollauf damit beschäftigt, mit der sich schnell entwickelnden Technologie Schritt zu halten. „Weil der KI-Boom so rasant kam, passen sie aktuell ihre Geschäftsmodelle an und die Technologien selbst befinden sich noch im Wandel.“

09.05.2026 16:00
Die Deutschen wohnen mehrheitlich zur Miete. Nur ein Land hat noch weniger Immobilienbesitzer. Das Ranking zeigt, in welchen Ländern der Anteil an Eigenheimbesitzern besonders niedrig ist 
09.05.2026 14:02

Die Dividendensaison macht sich im Depot bemerkbar. Doch nicht alle Dax-Aktien liefern gleich ab

Die einstigen Dividendenmotoren der Republik laufen nicht mehr rund. Hohe Investitionen, schwächere Absatzmärkte, insbesondere in China, und zunehmender Wettbewerb drücken auf die Gewinne. Das zeigt sich direkt in den Ausschüttungen: Mercedes-Benz senkt von 4,30 auf 3,50 Euro, Volkswagen zahlt 5,26 Euro je Vorzugsaktie. Nur BMW hebt leicht auf 4,40 Euro an. Entsprechend sinkt der Anteil der Branche an den gesamten Dividenden – von rund einem Drittel vor zwei Jahren auf aktuell etwa 13 Prozent. 

Die absolute Dividendenhöhe sagt aber nicht viel aus, erst die Relation zum Aktienkurs liefert den entscheidenden Mehrwert. Dabei ist die Dividendenrendite keine statische Kennzahl, sondern lediglich eine Momentaufnahme. Sie verändert sich mit jeder Kursbewegung. 

Dividenden: Versicherer und Banken liefern ab

Insgesamt betrachtet ist der Finanzsektor der am schnellsten wachsende Dividendenzahler. „Banken und Versicherer zahlen inzwischen zusammen gut 14 Milliarden Euro an ihre Aktionäre – mehr als jede andere Branche im Index“, sagt Lars Reichel vom Börsenplatz Gettex. 

„An der Spitze steht erneut die Allianz. Der Versicherungskonzern hebt seine Dividende von 15,40 Euro auf 17,10 Euro je Aktie an und überweist damit mehr als sechs Milliarden Euro an seine Aktionäre.“ Auch die Rendite kann sich mit 4,5 Prozent sehen lassen. Munich Re mit 24 Euro Dividende sowie Hannover Rück, die ihre Ausschüttungsquote deutlich erhöht, zeigen, wie stabil das Geschäft der Rückversicherer derzeit läuft. 

Commerzbank schüttet wieder aus

Zwei Sonderfälle stechen dieses Jahr hervor. Die Commerzbank hat ihre Passivität abgelegt: Innerhalb von zwei Jahren hat die Bank ihre Dividende von 0,35 Euro auf 1,10 Euro mehr als verdreifacht. Zusammen mit dem neuen Aktienrückkaufprogramm für bis zu 540 Mio. Euro stellt dies die finanzielle Brandmauer gegen die italienische Unicredit dar. „Die Bank schüttet damit praktisch 100 Prozent des Gewinns an die Aktionäre aus“, so Franz-Georg Wenner von der Finanzplattform Indexradar. Das Management wettet darauf, dass die Aktionäre bei einer Rendite von über drei Prozent plus massiven Rückkäufen die Unsicherheit einer Unicredit-Integration scheuen werden. 

Rheinmetalls Dividende 42 Prozent höher

Ebenfalls bemerkenswert ist auf den ersten Blick die Dividendenentwicklung bei Rheinmetall. „Der Rüstungskonzern steigert aufgrund der anziehenden Verteidigungsausgaben in Europa seine Dividende um rund 42 Prozent auf 11,50 Euro je Aktie. Bezogen auf den Aktienkurs von rund 1600 Euro reicht die Rendite von 0,7 Prozent aber nur für das untere Drittel bei den Dax-Werten“, so die Auswertung des Lynx-Brokers. 

Trotzdem ist Rheinmetall auch 2026 die beliebteste Aktie bei Anlegern. Tobias Spreiter von Flatexdegiro sah schon 2025 einen „starken Zufluss in Verteidigungswerte“. Spreiter führt weiter aus, dass viele Privatanleger Rüstungsaktien zwar schon länger beobachten, aber bewusst auf den richtigen Einstiegszeitpunkt gewartet hätten. „Eine klare Signalwirkung ging dann vom Beschluss des deutschen Infrastrukturpakets aus, was auch daran erkennbar war, dass sich die Nachfrage vor allem auf deutsche Titel konzentrierte.“

Konzentration auf wenige Dax-Aktien

Auffällig bleibt allerdings die Konzentration der Ausschüttungen. Die zehn größten Dividendenzahler im Dax stehen für etwa die Hälfte aller Zahlungen und erwirtschaften zugleich einen ähnlich großen Anteil der Gewinne. Für Anleger bedeutet das: Wer gezielt auf Dividenden setzt, landet fast automatisch bei einer überschaubaren Gruppe von Unternehmen. 

Ein Punkt wird dennoch regelmäßig unterschätzt: Dividenden sind kein Geschenk. Am Ex-Dividenden-Tag reduziert sich der Kurs rechnerisch um den Ausschüttungsbetrag, gleichzeitig greift der Fiskus zu. Von fünf Euro brutto bleiben rund 3,68 Euro netto.

In der Praxis werden solche Abschläge allerdings häufig relativ schnell wieder aufgeholt. Der eigentliche Vorteil liegt ohnehin woanders: Dividenden ermöglichen ein regelmäßiges Einkommen, ohne dass Anleger ihre Aktien verkaufen müssen. Oder anders formuliert: Kursgewinne sorgen für Jubel im Depot, Dividenden dagegen für einen stetigen Geldfluss. Und auch wenn dieser weniger spektakulär wirkt: Auf lange Sicht ist er oft der verlässlichere Teil der Börsenrendite.

09.05.2026 12:00

Obwohl jedes Jahr in Deutschland Hunderte von Milliarden vererbt werden, fallen nur wenig Steuern an. Julia Jirmann vom Netzwerk Steuergerechtigkeit will das ändern – und sagt wie

Capital: Frau Jirmann, welche Rolle spielt das vererbte oder verschenkte Vermögen in Deutschland für das Steueraufkommen?
JULIA JIRMANN: Wir sind mitten in einer Erbschaftswelle. Es werden jedes Jahr 300 bis 400 Mrd. Euro weitergegeben, also unglaubliche Summen. Aber die Erbschaftsteuer dümpelt nur so bei zehn Milliarden vor sich hin. Zur Einordnung: Selbst die Tabaksteuer in Deutschland liegt deutlich darüber. Obwohl wir so große Erbvermögen haben.

Sie kritisieren im Netzwerk Steuergerechtigkeit vor allem, dass sich viele Erben der Steuer entziehen können. Was passiert da?
Es gibt große Schlupflöcher, und im Prinzip kann man mit gezielter Gestaltung die Steuer weitgehend vermeiden. Das geht los bei den persönlichen Freibeträgen, die ich alle zehn Jahre erneut nutzen kann. Ich kann mir von meinen Eltern alle zehn Jahre 400.000 Euro übertragen lassen. Wer da gut plant, ist deutlich besser dran als die Familien, in denen plötzlich jemand stirbt. Das Hauptproblem liegt aber bei den großen Milliardenvermögen.

Warum?
Da gibt es große Privilegien und Ausnahmen, mit denen sich die Steuer de facto auf Null bringen lässt. Das betrifft vor allem eine Klasse von Vermögen, das in Unternehmen gebunden ist. Die sind laut Gesetz im Prinzip von der Besteuerung ausgenommen. Das Bundesverfassungsgericht hat in den vergangenen Jahren schon mehrfach gesagt, dass das geändert werden muss.

Es wurde ja etwas geändert, aber offenbar noch zu wenig. Das Bundesverfassungsgericht will daher in diesem Jahr ein Urteil fällen.
Der Gesetzgeber hat dann nachgebessert und eine Grenze festgelegt: Unternehmensvermögen dürfen ausgenommen werden, aber nur bis zu einer Grenze von 26 Mio. Euro. Darüber hinaus gibt es eine sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung. Das heißt: Erben von Unternehmensanteilen, die größer als 26 Mio. Euro sind, können einen Steuererlass bekommen, wenn sie dem Finanzamt nachweisen können, dass sie das Geld gar nicht haben, sondern nur das Betriebsvermögen. Das bedeutet dann sehr viel Gestaltungsspielraum.

Es ist ja aber durchaus denkbar, dass das Vermögen tatsächlich gebunden ist. Vertreter der Familienunternehmen argumentieren, dass es die Zukunft von Unternehmen und damit auch Arbeitsplätze gefährden würde, wenn die Steuer gezahlt werden müsste.
Aber das muss ja nicht heißen, dass wir Betriebsvermögen grundsätzlich von der Steuer befreien. Wir können moderate Steuersätze finden. Und wir können dafür sorgen, dass Erben von Unternehmensvermögen die Steuern über viele Jahre gestreckt zahlen – aus den Gewinnen, die das Unternehmen erzielt. Wir können und sollten den Erben von Unternehmen das Gleiche zumuten, das wir auch den Unternehmensgründern zumuten. Die müssen ja auch Gewinne erwirtschaften, um damit Kredite zu begleichen.

Hören Sie in der neuen Folge von „Capital – der Wirtschaftspodcast“

  • Warum es keine genauen Zahlen zum vererbten Vermögen in Deutschland gibt
  • Weshalb das Aufkommen an Erbschaftsteuer 2025 ungewöhnlich hoch war
  • Wie sich Unternehmenserben arm rechnen

Alle Folgen finden Sie direkt bei RTL+, Apple oder Spotify

09.05.2026 08:00
Kurzfristig scheint Russland vom Irankrieg zu profitieren – mehr Geld für sein Öl. Langfristig aber gerät Putin in Bedrängnis, sagt Expertin Hanna Notte. Mit Folgen für uns.
08.05.2026 18:00

Unicredit treibt die Übernahme der Commerzbank voran, die Berliner Politik wirkt machtlos: Der Fall ist ein Lehrstück für die Planlosigkeit der Regierenden in der Bankenpolitik

Sagt Ihnen „Hanlon’s Razor“ etwas? Unter diesem Begriff versteht man eine Art goldene Regel zur Erklärung großer Missgeschicke: Demnach soll man sich nicht in umständlichen Theorien verlieren, wenn schon grobe Dummheit zur Erklärung eines Unglücks reicht.

Seit mehr als anderthalb Jahren rätseln professionelle Beobachter, wie es zu der wirklich komplett verfahrenen Lage rund um die Commerzbank kommen konnte. Schon der erste Akt des Dramas, der Verkauf eines Aktienpakets von knapp fünf Prozent an Deutschlands zweitgrößter Privatbank durch den Bund Anfang September 2024 bietet allerhand Anlass für Spekulationen. Leider wurde seither wenig besser. Aber alle Beteiligten versichern, stets in bester Absicht zu handeln und gehandelt zu haben – als wenn Unvermögen das Drama entschuldigen könnte.

Nach dieser denkwürdigen Woche, in der der Chef der italienischen Großbank Unicredit, Andrea Orcel, sein erstes offizielles Übernahmeangebot für die Aktionäre der Commerzbank vorgelegt hat, zeichnet sich jedenfalls ziemlich deutlich ab: Über kurz oder lang wird die Commerzbank wahrscheinlich italienisch werden. Schon jetzt kontrolliert Orcel knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile, über anderthalb Jahre sehr planvoll zusammengekauft. Die Offerte, die er diese Woche präsentierte, ist für Commerzbank-Aktionäre zwar ziemlich unattraktiv, wie mein Kollege Stefan Schaaf analysiert. Erst recht nach den guten Geschäftszahlen für das erste Quartal und den weiteren Plänen für das Geldhaus, die Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp an diesem Freitag vorstellte

Aber ein paar weitere Aktien wird Orcel im Laufe der nächsten sechs Wochen schon erhalten, und die werden ihn ziemlich gewiss über die Schwelle von 30 Prozent tragen – ganz ohne teureres Pflichtangebot an alle Aktionäre. Mehr braucht Orcel für den Moment gar nicht, danach kann er in aller Ruhe weiter zukaufen oder weiter abwarten, ganz wie es ihm beliebt.

Obgleich die Bundesregierung, mit gut 12 Prozent immer noch zweitgrößter Anteilseigner bei den Frankfurtern, mehrfach deutlich gemacht hat, dass sie eine Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit ablehnt, hat sie eigentlich keine sinnvollen Optionen mehr. Wirklich verhindern kann Berlin die Übernahme nur, wenn die Regierung nun selbst anfinge, im großen Stil Commerzbank-Aktien aufzukaufen. Immerhin, die Nachrichtenagentur Reuters meldete diese Woche, die Regierung halte sich genau das offen – man prüfe, ob man über die staatliche KfW-Bank wieder Anteile an der Commerzbank aufkauft, so Reuters. Die Meldung wurde zwar dementiert, aber für gewöhnlich veröffentlicht Reuters solche Informationen nur, wenn die Kollegen sehr gute Quellen haben.

 

Nur zur Erinnerung: Vor bald zwei Jahren stellte der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) ohne größere Vorsichtsmaßnahmen fünf Prozent der Aktien zum Verkauf, und siehe da, die Unicredit schlug über Nacht für gut 13 Euro zu. Heute könnten Lindners Nachfolger anfangen, zum jetzt mindestens dreifachen Kurs wieder Aktien zurückzukaufen, nur damit Unicredit nicht komplett die Kontrolle übernimmt.  

Wenn die Erklärung mit der Dummheit für die Vorgänge im September 2024 stimmt, muss man befürchten, dass auch an der Reuters-Meldung jetzt etwas dran ist. 

Mehr als Hinhalten kann die Commerzbank Orcel nicht

Im besten Fall sorgt das Gerücht aber dafür, dass die Commerzbank-Aktie weiter steigt, Orcels Angebot noch unattraktiver wirkt und die Übernahme für Orcel zumindest immer teurer wird. Und politisch aufgeladener: Immerhin ist die Übernahme und Integration einer Bank nicht ein Geschäft wie jedes andere – bei Bank-Übernahmen geht es um komplexe IT-Systeme, um Mitarbeiter und unterschiedliche Kulturen, vor allem aber um wertvolle Kundenbeziehungen, die niemand gerne verlieren möchte. Daher muss sich Orcel gut überlegen, wie hart er wirklich vorgehen will. Doch viel mehr Optionen als Hinhaltetaktiken bleiben dem Bank-Management und der Bundesregierung nicht. 

Im Getümmel dieser Übernahmeschlacht tauchen allerdings schon zwei Fragen auf, die über die Commerzbank hinausweisen: Was ist eigentlich die weitere Strategie der Regierung für den Finanzplatz Deutschland und die verbleibende Bankenlandschaft? Und was bedeutet der schleichende Verkauf der Commerzbank für hiesige Unternehmen und ihr Exportgeschäft? Immerhin bezeichnet sich das Finanzinstitut als der führende Mittelstandsfinanzierer im Ausland. 

Bei aller Verbundenheit wird die zweite Frage mit der Zeit wahrscheinlich der Markt entscheiden. Für Privatkunden wird sich auch bei einer „italienischen“ Commerzbank zunächst nicht viel ändern, bei den Unternehmenskunden wird man abwarten müssen. Entweder bleiben sie auch einer Commerzbank in neuen Eigentumsverhältnissen treu – oder sie werden sich andere Banken als Partner suchen. Vielleicht fällt hier Geschäft für die Deutsche Bank ab, vielleicht werden Institute aus Frankreich oder den USA noch stärker in das hiesige Firmenkundengeschäft einsteigen. Ob das unterm Strich gut oder schlecht für die deutsche Wirtschaft und ihr Exportgeschäft sein wird, kann heute niemand seriös sagen.

Es fehlt ein Plan für die Banken in Deutschland

Dringlicher ist die Antwort auf die erste Frage, sie steht nämlich schon seit gut 20 Jahren unbeantwortet im Raum. Allein gut 16 Jahre hielt der Bund seine Anteile an der Commerzbank, ohne je wirklich einen Plan zu entwickeln, was er mit dieser Beteiligung anstellen könnte. Und diese fehlende Antwort hat erst in die Situation geführt, in der sich Deutschlands Banken heute befinden: zu klein, um im weltweiten Wettbewerb mithalten zu können, und so niedrig bewertet, dass sie ein leichtes Übernahmeziel sind.

Von den einst vier großen deutschen börsennotierten Geschäftsbanken – Deutsche, Dresdner, Commerzbank und HVB – ist bald nur noch die Deutsche einigermaßen eigenständig. Aber auch sie ist allein viel zu klein und unbedeutend, um als glaubwürdige Repräsentantin der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde durchzugehen. Daneben gibt es weiter einen Wildwuchs an öffentlichen und halböffentlichen Banken – Landesbanken, Förderbanken, Sparkassen, Volksbanken –, die alle fröhlich vor sich hin werkeln und die alle zu klein sind, um jenseits von Förderkrediten, Gehaltskonten, Immobilienfinanzierungen und Zahlungsabwicklung den hiesigen Unternehmen zu nützen. Industriepolitik ist seitjeher ein Tabu für deutsche Ordnungspolitiker, im Finanzsektor aber gilt das noch mal mehr. Andere Länder wie Frankreich, Italien und vor allem die USA haben diese Vorbehalte nicht – und sie übernehmen jetzt im deutschen Bankensektor das Geschäft.  

Für die Commerzbank kommt wahrscheinlich jede Hilfe zu spät – für den Rest der Branche und für die Regierung in Berlin sollte die Übernahme immer noch ein Weckruf sein.

08.05.2026 16:30

Eine „Royal Oak“ aus Plastik für circa 300 Euro? Swatch kündigt eine Kooperation mit Audemars Piguet für Mitte Mai an. Was steckt hinter dem Sensationsprojekt?

Update: Inzwischen hat Swatch über den offiziellen Instagram-Kanal der Marke das gemeinsame Projekt der Popkultur-Profis aus Biel und der Nobeluhren-Manufaktur aus Le Brassus bestätigt. „Wir präsentieren Audemars Piguet × Swatch – eine bahnbrechende Kollaboration, die fröhliche Kühnheit und positive Provokation mit der Kunst der Haute Horlogerie vereint. Zwei Schweizer Ikonen schließen sich zusammen, um das Tragen von Zeit völlig neu zu denken und künftige Generationen in die Welt der mechanischen Uhren einzuführen. Bleibt dran!“ 

***

Wäre der 1. April nicht bereits über einen Monat vorbei gewesen, hätte man den letzten Mittwoch als verspäteten Aprilscherz verstehen können. In der Uhren-Szene zumindest. In mehreren internationalen Tageszeitungen und auf Swatch-Plakaten erschien am 6. Mai eine Anzeige: bunte Punkte im Pop-Art-Stil, der Schriftzug „Royal“, daneben „Pop“ – die Buchstaben P und O ineinandergeschoben, und zwar in exakt jener Schriftart, mit der die Manufaktur Audemars Piguet seit 1972 ihre „Royal Oak“-Modelle graviert. Daneben prangte das Datum: 16. Mai. 

Innerhalb weniger Stunden zogen Teile der Sammler-Community auf Reddit, Tiktok und Instagram die gleichen Schlüsse: Swatch bringt eine Bioceramic-Variante der legendären Luxussportuhr, die neu erst ab 30.000 Euro zu haben ist. Ein Revival des immens erfolgreichen Projektes „MoonSwatch“ rund um die „Speedmaster“ von Omega. 

Zu den weiteren Indizien gehörten für Fans einige kryptische Posts auf den offiziellen Social-Media-Kanälen von Swatch, darunter acht farbige Textilarmbänder, ein „Clac“-Soundeffekt wie aus einem Comicstrip und Hinweise auf das mechanische Sistem51-Werk, das legendäre Massenkaliber mit nur 51 Bauteilen. 

Oder hat die Online-Gemeinde der Liebhaber raffinierter Zeitmesser da doch etwas zu viel hineininterpretiert?

Was wäre wenn: drei Szenarien

Eine echte Kooperation: In diesem Szenario käme am 16. Mai eine „Royal Oak“ im Stil der erfolgreichen „MoonSwatch“ auf den Markt, als offizielle Kollaboration, mit einem Bioceramic-Gehäuse, mechanischem Standardwerk und einem Preis von circa 400 Euro. Zugleich würde die Uhr den ersten Tabubruch der „Heiligen Dreifaltigkeit“ bedeuten, wie Sammler die drei prestigeträchtigsten unabhängigen Manufakturen Patek Philippe, Audemars Piguet und Vacheron Constantin nennen. Ein Coup für Swatch, ein Downgrading für Audemars Piguet.

Renaissance der „Pop Swatch“: Hinter „Royal Pop“ könnte sich auch nur eine clevere, medienwirksame Aufladung der seit 1986 existierenden „Pop“-Linie verbergen. Diese steckte damals in einem modularen Gehäuse, das man als Anhänger, Taschenuhr, Wandobjekt oder Kühlschrankmagnet tragen und benutzen konnte. Dazu würden die Social-Media-Indizien passen: Textilarmband, lautes Klacken, poppiges Design, acht Farben. Das Wort „Royal“ wäre demnach eher die Krönung einer Bestsellerkollektion als ein Verweis auf die „Royal Oak“, die angedeutete achteckige Form cleveres Marketing.

Der Mittelweg: Die „Pop Swatch“ kehrt zurück und zitiert dabei mit Erlaubnis/Lizenz den Bestseller von Audemars Piguet. Etwa beim Schriftzug, der Oktagon-Form und anderen Details. Der Luxusschmiede aus Le Brassus beschert das die Aufmerksamkeit junger Kunden, ohne großes Risiko Stammkunden zu vergrätzen. Und Swatch darf sich im Schein einer Legende sonnen.

Was für eine Kooperation spricht

Die Swatch AG hat bereits Mitte 2024 den Namen „Royal Pop“ international als Uhren- und Schmuckmarke registrieren lassen. In der Regel ist das ein Zeichen dafür, dass sie damit auch in irgendeiner Form geschäftlich aktiv werden wollen. Zudem ist die verwendete Schrift nahezu identisch mit der von Audemars Piguet. So ein Risiko würde die Rechtsabteilung der Swatch Group nicht ohne Anlass eingehen. 

Und dann ist da noch das Lob, das François-Henry Bennahmias, damals Audemars-Piguet-Chef und Vertrauter von Swatch-Boss Nick Hayek, im Jahr 2022 gegenüber der „Luxury Tribune“ für die „MoonSwatch“ aussprach. Sie sei eine „großartige Idee, die die jüngere Generation an die Ikonen der Uhrmacherei heranführt“. Bennahmias kommentierte damals auch einen Launch-Beitrag mit „When do we start?“. Folgt nun also die „Royal Oak“ als „Royal Pop“?

Die stärksten Gegenargumente

In Ermangelung offizieller Bestätigungen oder Dementis der beiden Marken hilft auch hier ein Blick auf Medienzitate. Etwa jenes von Audemars-CEO Ilaria Resta, die  2024 in einem „Business of Fashion“-Interview sagte: „Mein Mandat ist, das Unternehmen für seine langfristige Unabhängigkeit zu festigen. Ich werde dabei womöglich entscheiden, das Wachstum für ein paar Jahre zu stoppen.“ Das klingt so gar nicht nach einer „Royal Oak“ aus Plastik, um die eigenen Uhren besser zu verkaufen. Nicht zu vergessen: Die bisherigen Günstig-Versionen berühmter Uhren – von Omega und Blancpain – bewegten sich im Markenreich der Swatch Group. Ein Ausscheren in „feindliche“ Lager klingt so gar nicht nach Hayeks Firmenphilosophie. Andererseits könnte ein Hype à la „MoonSwatch“ der Führung der Swatch Group etwas Luft im Machtkampf mit dem aktivistischen US-Investor Steven Wood (GreenWood) verschaffen, der zuletzt deren Absetzung gefordert hatte.

Außerdem herrscht seitens der Luxusuhrenmarke absolutes Stillschweigen. Kein Like, kein Teilen der Swatch-Posts, nichts. Überdies untermauerte die jüngste Rückkehr von Audemars Piguet auf die Messe Watches & Wonders in Genf und die dort vorgestellten Neuheiten eher eine weitere Konzentration auf Luxus pur.

Auch der Kapitalmarkt ist nicht überzeugt. Die Swatch-Aktie steht zwar auf einem 52‑Wochen-Hoch, doch das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 159 Franken, gut 20 Prozent darunter. Neun Häuser empfehlen den Verkauf, vier einen Kauf. Kein einziger Sell-Side-Analyst, von Bernstein über Vontobel bis Kepler Cheuvreux, hat den „Royal Pop“-Teaser bislang in einer Notiz erwähnt. Ein erwarteter „MoonSwatch“-Effekt würde sich anders niederschlagen. Auch die meisten Fachmedien halten eine Kooperation für wenig realistisch.

Was am Samstag wahrscheinlich passiert

Allenfalls ein Hybrid-Produkt mit höflicher Audemars-Piguet‑Hommage, vermutlich aber eher ein reines Revival der „Pop Swatch“, in das die Community nicht beabsichtigte Audemars-Ähnlichkeiten hineingelesen hat. Alles andere wäre gerade für die bisherige Strategie von Ilaria Resta eine unnötig riskante Kehrtwende. Und das, wo die Manufaktur im hohen einstelligen Prozentbereich und gegen den Trend wächst und Swatch-Cash nicht nötig hat.

Bleibt abzuwarten, wie lang der Hype am 16. Mai die Schlangen vor den Swatch-Boutiquen in Berlin, München, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf werden lässt. Und ob Audemars Piguet trifft Swatch ein Fall für putzige KI-Experimente bleibt.

08.05.2026 15:44
Es gibt vorerst keine 1000 Euro Entlastungsprämie. Der Bundesrat hat das schwarz-rote Projekt gestoppt. Zu Recht. Der Vorgang wirft die Frage auf: Können die überhaupt regieren?
08.05.2026 14:43
Mit dem Altersvorsorgedepot wird die Riester-Rente reformiert. Doch eine wesentliche Verbesserung sollten bisherige Riestersparer lieber nicht erwarten
08.05.2026 13:45
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Bei der Jobsuche braucht man dieses Jahr einen langen Atem, sagt Expertin Anna Lüttgen im Interview. Was Bewerber wissen müssen – und wie sie die Zeit nutzen können

Frau Lüttgen, im Fachkräfteindex, den Sie mit Hays veröffentlichen, zeigt die Nachfrage nach Fachkräften in allen Branchen nach unten. Ist die Jobsuche gerade aussichtslos?
ANNA LÜTTGEN: Nein, allerdings ist sie durchaus herausfordernd. Branchenübergreifend sehen wir eine Abwärtsbewegung in der Fachkräftenachfrage. Das ist aber kein temporäres Rekrutierungsproblem, sondern einfach Teil eines großen strukturellen Wandels.

Das müssen Sie erklären.
Derzeit besetzen die Unternehmen nicht sofort nach, wenn eine Stelle vakant wird. Es wird sehr genau geprüft, welche Positionen und Skills gebraucht werden, wer ist besonders wichtig und welche Rollen tragen zur Wertschöpfung bei – an diesen Stellen wird auch weiter nachbesetzt. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl offener Stellen um rund 19 Prozent gefallen. Damit ist faktisch gesehen kein flächendeckender Arbeitskräftemangel mehr vorhanden. Dazu kommt: Weniger junge Arbeitskräfte kommen nach. Diese Situation macht es gerade für jüngere Jobsuchende natürlich nicht einfach. Wir sehen, dass deutlich mehr überlegt wird, wenn jemand neu eingestellt wird: Was braucht die Person, um erfolgreich zu sein? Welche Aufgaben soll sie übernehmen? Wie gelingt ein schneller und effektiver Start? Welche Erfahrungen bringt sie ein? Es ist selektiver, und qualitativ teilweise besser.

Wer einen Job findet, kann also Glück haben – aber der Weg dorthin ist schwieriger. Woher kommt dieser Wandel?
Die schwache Konjunktur spielt eine wichtige Rolle, ist aber nur teilweise dafür verantwortlich. Es geht um eine strukturelle Veränderung. Die Unternehmen merken, dass sie sich nicht mehr auf die Wahrheiten verlassen können, die Jahrzehnte lang gegolten haben – wie, dass es nach einem kurzen Abschwung automatisch wieder nach oben geht. Deswegen werden viele althergebrachte Methoden und Glaubenssätze infrage gestellt: Sind die Hierarchieebenen im Unternehmen noch zeitgemäß? Brauche ich all diese Expertenrollen noch? 

Da fällt einem zwangsläufig das Thema Künstliche Intelligenz ein – von der es ja heißt, dass sie viele Jobs bald ersetzen könne.
So pauschal kann man das nicht sagen. Wir sehen, dass es Aufgabenfelder verändert. Aber nur in den allerwenigsten Fällen kann KI den Job wirklich ersetzen. Meistens wird sie eingesetzt, um Mitarbeitende von Routinetätigkeiten zu entlasten – dann braucht man für bestimmte Aufgaben vielleicht auch nicht mehr so viele Personen. 

In welchen Branchen stehen die Chancen denn besonders schlecht – und in welchen besonders gut?
Alle Branchen stehen unter Druck, das zeigt unser Fachkräfteindex. Manche mehr oder weniger. Energieversorgung, erneuerbare Energien und Green Tech sind immer noch absolute Trendthemen. Im MINT-Bereich fehlen weiterhin über 100.000 Fachkräfte. Auch Gesundheit und Pharma sind aussichtsreich und nicht zuletzt alles im Hightech-Bereich – dort kann Deutschland mit hochqualifizierten Wissensarbeitern einen Unterschied machen. Auf der anderen Seite: Branchen wie der Handel und die Automobilindustrie sind wahnsinnig unter Druck. Die müssen sich stärker transformieren als andere Branchen – das „Einfach weiter so“ funktioniert nicht mehr.

Welche Rollen suchen die Unternehmen besonders?
Vor allem Fachkräfte mit Erfahrung. Für Berufseinsteiger ist das natürlich eine Einstiegshürde. Daneben sind vor allem Eigenschaften wie Resilienz und Veränderungsfähigkeit gesucht. Wenn ich 30 Jahre lang in der gleichen Position die gleichen Ergebnisse erzielen konnte, habe ich gute Karten. Es hilft, wenn man einen Track-Record mitbringen und zeigen kann: Hier konnte ich einen wichtigen Teil zum Unternehmenswachstum beisteuern.

Also keine rosigen Aussichten für viele, die vielleicht zum ersten Mal seit langem auf den Arbeitsmarkt kommen. Was müssen Jobsuchende tun?
Zunächst sollten sie reflektieren: Was bringe ich mit, was vielleicht gerade gefragt ist? Das könnte zum Beispiel sein, dass man mit internationalen Teams arbeiten kann oder besonders kompetent im sozialen Umgang ist. Das wird sogar immer wichtiger. Früher zählte vor allem das Abschlusszeugnis. Inzwischen ist wichtig, wo ich bereits bewiesen habe, dass ich ein guter und teamfähiger Kollege bin. Und gleichzeitig darf man vom potenziellen Arbeitgeber auch einfordern, dass er mich über die Perspektive im Unternehmen ehrlich aufklärt. Aber trotzdem sollte man sich auf längere Wartezeiten und vor allem mehr Schritte im Bewerbungsprozess einstellen.

So eine lange Zeit auf Jobsuche kann frustrieren. Wie kann man mit einer längeren „Durststrecke“ umgehen?
Man sollte sich ein dickes Fell zulegen und es auf keinen Fall persönlich nehmen, wenn es nicht klappt. Das ist im Moment leider ein relativ normaler Zustand. Noch frustrierender als die Absage kann sein, wenn sich Unternehmen auf einmal nicht mehr melden. Das gab es früher nicht und das kann sich auch heute kein Unternehmen leisten. Den Jobsuchenden hilft, wenn man sich ein gutes Netzwerk aufbaut – nicht, weil die auf einmal den perfekten Job zur Hand haben, sondern weil vielleicht dort jemand in einer ähnlichen Lage war und unterstützen kann. Vor allem aber sollte man die eigenen Ansprüche nicht zu sehr herunterschrauben. Wenn man einen Job findet, ihn dann aber ein halbes Jahr später wegen einer spannenderen Stelle wieder verlässt, hat niemand was davon. Also wenn möglich keine Kompromisse eingehen.

Also sind die Vorsätze für 2026 für Bewerber: Die eigenen Stärken reflektieren, herausarbeiten und den langen Atem trainieren?
Genau, und die Zeit nutzen: Kann ich vielleicht in eine Fortbildung investieren? Auch ehrenamtliche Tätigkeiten helfen. Sie sind nicht nur sinnstiftend, sondern auch eine relevante Arbeitserfahrung – und man zeigt potenziellen Arbeitgebern, was in einem steckt.

Transparenzhinweis: Dieser Text stammt aus dem Archiv und erschien erstmals im Januar 2026. Er wurde erneut geprüft und veröffentlicht. 

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Die geplante steuerfreie Entlastungsprämie der Bundesregierung scheitert im Bundesrat. Länder warnen vor milliardenschweren Einnahmeausfällen

Der Bundesrat hat die von der Bundesregierung geplante steuer- und abgabenfreie 1000-Euro-Entlastungsprämie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunächst gestoppt. Das zustimmungspflichtige Gesetz erhielt am Freitag nicht die notwendige Mehrheit. Mehrere Länder kritisierten in der Debatte damit verbundene zusätzliche Belastungen für Länder und Gemeinden.

Um das parlamentarische Verfahren zu beschleunigen, war die Gesetzesänderung für die Einmalprämie an einen Gesetzentwurf zur Änderung des Steuerberatungsrechts angehängt worden. Formal zurückgewiesen wurde also dieses Gesetz, dass die Regelungen für die Prämie enthält. Bundesregierung oder der Bundestag, der dem Gesetzentwurf zugestimmt hat, könnten nun den Vermittlungsausschuss anrufen. Im Bundesrat gab es dafür keinen Antrag.

Unternehmen sollen die Prämie bis zum 30. Juni 2027 ihren Beschäftigten auszahlen können. Für die Firmen wäre die Zahlung dann als Betriebsausgabe abzugsfähig, für die Arbeitnehmer steuerfrei. Die Prämie ist allerdings keine Pflicht. Deswegen ist auch unklar, wie viele Unternehmen sich angesichts der angespannten Wirtschaftslage beteiligen würden. Die Koalition hatte sich auf dieses Modell verständigt, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angesichts der hohen Energiepreise zu entlasten, ohne Zahlungen aus Haushaltsmitteln tätigen zu müssen. 

Länder fordern Kompensation

Doch auch für die Länder und Kommunen wäre die Maßnahme mit Einnahmeausfällen verbunden, was der scheidende baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) in der Debatte kritisierten. Dressel betonte, insgesamt sei mit Steuermindereinnahmen von 2,8 Mrd. Euro zu rechnen. Länder und Kommunen müssten davon zwei Drittel tragen. Der Bund habe aber mit der früheren Erhöhung der Tabaksteuer nur für sich eine Gegenfinanzierung geschaffen. Mindestens sollte er für einen Ausgleich für die klammen Kommunen sorgen, so SPD-Politiker Dressel. Hier gehe es um 700 Mio. Euro.

Neben den Arbeitgebern stößt die Prämie auch aufseiten der Gewerkschaften auf große Vorbehalte. Letztere argumentieren, dass es sich lediglich um eine Einmalzahlung handelt, die nicht zu einer dauerhaften Gehaltssteigerung für die Beschäftigten führt, sondern möglicherweise in Konkurrenz zu einer linearen Anhebung der Bezüge steht.

08.05.2026 10:31

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erhöht den Preis für eine Übernahme. Das könnte ihrem Institut eine Teilunabhängigkeit sichern, aber die Unicredit wird sie nicht mehr los

Die OMR-Konferenz in Hamburg ist einer der wichtigsten Termine im Kalender deutscher Marketingmenschen. Inzwischen pilgern nicht mehr nur Influencer und Start-up-Macher dorthin, sondern auch gestandene CEOs altehrwürdiger Banken. Dieses Mal dort: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und seine Commerzbank-Kollegin Bettina Orlopp.

Während die CEO von Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank auf der Bühne sprach, veröffentlichte die italienische Unicredit ihr Übernahmeangebot für die Commerzbank. Aufhorchen ließ besonders ein Satz von Orlopp, der die aktuelle Strategie der Commerzbank im Übernahmekampf zusammenfasst: Die Commerzbank-Aktionäre sollen „einen anständigen Preis bezahlt bekommen“, sagte Orlopp. „Und das ist im Moment nicht der Fall.“ Mit derlei Aussagen treibt die Commerzbank-Chefin den Preis bewusst hoch.

Commerzbank als Dividendenmaschine

Mit der Vorlage der Geschäftszahlen zum ersten Quartal hat sie ihre Ambitionen zur Kurstreiberei unterstrichen. Nach einem elfprozentigen Anstieg des operativen Gewinns im ersten Quartal auf 1,102 Mrd. Euro, „getragen von einem starken Wertpapiergeschäft sowie höheren Erträgen aus dem Geschäft mit Anleiheemissionen und Konsortialkrediten“, soll die Commerzbank in den nächsten Jahren eine Gewinn- und Dividendenmaschine werden. 

Die Eigenkapitalrendite soll bis 2030 auf 21 Prozent steigen, der Nettogewinn sich gemessen an den 2025er Zahlen auf dann 5,9 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Der Markt hatte offenbar etwas in diese Richtung erwartet. Nach dem starken Kursanstieg der Vortage gab die Aktie der Commerzbank zunächst 1,7 Prozent nach. Ob Investoren an Orlopps Wachstums- und Renditeversprechen glauben, werden die kommenden Wochen zeigen.

Bleibt es bei den Zielen, könnte die Dividende in wenigen Jahren also mehr als 2 Euro je Aktie betragen, nach 1,10 Euro in diesem Jahr. Wer zu Kursen bei 12 oder 13 Euro in die Commerzbank eingestiegen ist, dürfte bei diesen Werten feuchte Augen bekommen – Andrea Orcel inklusive, dessen Bank auf ihrem Heimatmarkt mit chronisch schwachem Wirtschaftswachstum leben muss.

Das Versprechen drastisch steigender Gewinne, begleitet von einem deutlichen Stellenabbau, gibt einen Hinweis auf die Abwehrstrategie der Commerzbank gegen Unicredit. Klar ist seit Dienstag, dass die Commerzbank die Unicredit nicht mehr los wird. Es geht also ums Einhegen von deren Einfluss. Je rentabler die Commerzbank ist, desto höher dürfte der Aktienkurs steigen, was den Kauf weiterer Anteile durch Unicredit verteuert.

Orlopp könnte also darauf setzen, dass Orcel nicht genügend Aktien zusammenkauft, um auf der Hauptversammlung am 20. Mai durchzuregieren. Statt einer Komplettübernahme könnte die Commerzbank einen dominanten Großaktionär bekommen, der ihr eine Teilunabhängigkeit zugesteht und sich dafür mit viel Geld bezahlen lässt.